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GlossarFutures Handel

Micro Futures

Micro Futures sind verkleinerte Futures-Kontrakte mit einem Zehntel der Kontraktgröße eines E-mini, die Tradern mit kleinerem Konto den Zugang zu den wichtigsten Terminmärkten ermöglichen.

Marco BösingVon Marco Bösing5 Min. Lesezeit

Was sind Micro Futures?

Micro Futures -- offiziell als Micro E-mini Futures bezeichnet -- sind verkleinerte Versionen der beliebten E-mini Futures-Kontrakte. Sie wurden 2019 von der CME Group eingeführt und repräsentieren ein Zehntel der Kontraktgröße eines E-mini. Ein einzelner Tick im MNQ (Micro E-mini Nasdaq-100) bewegt 0,50 Dollar statt 5,00 Dollar beim NQ. Damit wird der Futures-Handel auch für Trader mit kleineren Konten zugänglich, ohne auf die Vorteile eines regulierten, zentralen Börsenhandels verzichten zu müssen.

Ich empfehle jedem Anfänger, mit Micro Futures zu starten. Du handelst am exakt gleichen Markt wie die institutionellen Teilnehmer, siehst das gleiche Orderbuch, den gleichen Orderflow und die gleiche Markttiefe. Der einzige Unterschied: Dein Risiko pro Tick ist ein Zehntel. Das gibt dir den Raum, Fehler zu machen und daraus zu lernen, ohne dein Konto zu zerstören.

Wie funktionieren Micro Futures?

Micro Futures funktionieren identisch zu ihren großen E-mini-Pendants. Du hinterlegst eine Margin (Sicherheitsleistung), die deutlich geringer ausfällt als beim E-mini. Bei vielen Brokern liegt die Intraday-Margin für den MNQ unter 100 Dollar, während der NQ-Kontrakt 500 bis 2.000 Dollar erfordert. Die tägliche Bewertung erfolgt über den Settlement Price im Mark-to-Market-Verfahren.

Die wichtigsten Micro Futures

Kontrakt Symbol Tick Size Tick Value Kontraktwert (ca.)
Micro E-mini S&P 500 MES 0,25 $1,25 ~$27.000
Micro E-mini Nasdaq-100 MNQ 0,25 $0,50 ~$20.000
Micro E-mini Dow Jones MYM 1,00 $0,50 ~$21.000
Micro E-mini Russell 2000 M2K 0,10 $0,50 ~$10.000

Die Kontraktwerte ändern sich natürlich mit dem aktuellen Kursstand. Die Tabelle zeigt Richtwerte, die dir eine Orientierung geben. Wichtig ist der Tick Value: Er bestimmt, wie viel du pro Tick Bewegung gewinnst oder verlierst. Beim MNQ sind das 0,50 Dollar pro Tick, beim MES 1,25 Dollar. Beim NQ (E-mini) wären es 5,00 Dollar pro Tick, also das Zehnfache des MNQ.

Die Verfallstermine sind identisch mit den E-minis: quartalsweise im März, Juni, September und Dezember. Die Handelszeiten sind ebenfalls gleich (Sonntag 18:00 bis Freitag 17:00 Eastern Time, mit einer 15-minütigen Pause um 16:15 Uhr). Du handelst also am selben Markt zur selben Zeit, nur mit kleinerem Footprint.

Micro Futures in der Praxis

In der Praxis nutze ich Micro Futures für zwei Szenarien: zum Lernen und zum präzisen Skalieren. Für Anfänger sind sie der perfekte Einstieg, weil du echte Markterfahrung sammelst, ohne großes Kapital zu riskieren. Ein 50-Tick-Verlusttrade im MNQ kostet dich 25 Dollar. Derselbe Trade im NQ kostet 250 Dollar. Über einen Monat mit 20 Trades summiert sich dieser Unterschied enorm.

Auch für erfahrene Trader haben Micro Futures einen Nutzen: Wenn du im E-mini mit zwei Kontrakten handelst und einen bei Target 1 schließen willst, hast du danach nur noch einen Kontrakt. Mit Micro Futures kannst du stattdessen 20 MNQ handeln und flexibler skalieren, z. B. 10 bei Target 1 schließen, 5 bei Target 2, und 5 auf Breakeven laufen lassen.

Ein Punkt, der oft übersehen wird: Obwohl Micro Futures die gleichen Marktdaten liefern wie E-minis, ist die Liquidität im Micro-Orderbuch etwas geringer. Für Daytrading mit ein bis zehn Kontrakten ist das irrelevant. Wenn du aber versuchst, 100 MNQ-Kontrakte auf einmal zu platzieren, kann Slippage ein Thema werden. In der Regel löst sich das Problem von selbst, sobald du groß genug für solche Positionen bist und dann ohnehin auf den NQ wechselst.

Die Kommissionen pro Kontrakt sind bei Micro Futures in absoluten Zahlen etwas niedriger als bei E-minis, aber relativ zum Tick Value höher. Ein Round-Turn-Trade im MNQ kostet typischerweise 0,50 bis 1,50 Dollar Kommission. Bei einem Tick Value von 0,50 Dollar pro Tick macht die Kommission also einen signifikanten Anteil aus. Beim NQ mit 5,00 Dollar pro Tick fallen die 2 bis 4 Dollar Kommission kaum ins Gewicht. Das solltest du bei der Kalkulation deiner Strategie berücksichtigen.

Für einen detaillierten Vergleich und praktische Tipps empfehlen wir unseren Artikel über Micro Futures Trading.

Häufige Fehler bei Micro Futures

Zu viele Kontrakte handeln, weil sie "billig" sind: Micro Futures sind kleiner, aber 20 MNQ-Kontrakte entsprechen zwei NQ-Kontrakten. Wer mit Micro Futures anfängt und sofort mit 20 Kontrakten handelt, hat den Sinn des kleineren Instruments verfehlt. Starte mit einem oder zwei Kontrakten.

Die Kommissionsstruktur ignorieren: Relativ zum Tick Value sind die Kommissionen bei Micro Futures höher als bei E-minis. Bei sehr kurzfristigen Scalps kann die Kommission einen großen Teil des Gewinns auffressen. Rechne vorher, ob deine Strategie nach Kommissionen profitabel bleibt.

Micro Futures als "nicht echtes Trading" abtun: Micro Futures handeln am selben Markt mit denselben Daten. Die psychologische Komponente ist bei kleinem Risiko zwar geringer, aber die Markterfahrung, die du sammelst, ist real und direkt auf E-minis übertragbar.

FAQ

Sind Micro Futures dasselbe wie E-minis?

Nein, aber sie bilden denselben Basiswert ab. Ein Micro E-mini ist ein Zehntel der Größe eines E-mini. Der MNQ bildet den gleichen Nasdaq-100 Index ab wie der NQ, mit derselben Tick Size (0,25 Punkte), aber einem Tick Value von 0,50 Dollar statt 5,00 Dollar. Die Handelszeiten und Verfallstermine sind identisch.

Wie viel Kapital brauche ich für Micro Futures?

Technisch kannst du bei einigen Brokern mit weniger als 500 Dollar starten. Ich empfehle aber mindestens 2.500 bis 5.000 Dollar, um genug Puffer für Verlustphasen zu haben und nicht unter Druck zu geraten. Riskiere nie mehr als 1 bis 2 % deines Kontos pro Trade.

Wann sollte ich von Micro Futures auf E-minis umsteigen?

Wenn du über mindestens drei Monate konsistent profitabel bist und ein Konto hast, das groß genug ist, um das zehnfache Risiko zu tragen. Der Umstieg ist kein Prestigethema, sondern eine Frage der Kapitaladäquanz und der mentalen Bereitschaft. Viele erfolgreiche Trader bleiben bei Micro Futures, weil die Skalierungsmöglichkeiten für ihre Kontogröße besser passen.

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