Was ist Slippage?
Slippage bezeichnet die Differenz zwischen dem erwarteten und dem tatsächlichen Ausführungspreis einer Order. Sie tritt auf, wenn sich der Markt zwischen dem Zeitpunkt der Orderaufgabe und der tatsächlichen Ausführung bewegt oder wenn nicht genügend Liquidität zum gewünschten Preis verfügbar ist.
Slippage kann sowohl positiv (besserer Preis als erwartet) als auch negativ (schlechterer Preis als erwartet) sein. In der Praxis überwiegt jedoch die negative Slippage, da Trader typischerweise in die Richtung der aktuellen Marktbewegung handeln.
Warum entsteht Slippage?
Slippage hat mehrere Ursachen, die oft zusammenwirken:
Marktvolatilität
In schnellen Märkten — etwa während Nachrichtenveröffentlichungen oder bei plötzlichen Orderflow-Spitzen — bewegen sich Preise so schnell, dass der Kurs zwischen Orderaufgabe und Ausführung bereits weitergelaufen ist. Je höher die Volatilität, desto größer die potenzielle Slippage.
Geringe Liquidität
Wenn im Orderbuch nicht genügend Volumen auf dem gewünschten Preisniveau liegt, wird eine Market Order über mehrere Preislevel hinweg ausgeführt. Bei einer Market Buy Order wird zunächst das günstigste Angebot genommen, dann das nächsthöhere und so weiter, bis die gesamte Ordergröße gefüllt ist.
Ordergröße
Größere Orders erzeugen tendenziell mehr Slippage, da sie mehr Liquidität aus dem Orderbuch absorbieren. Ein Trader, der 50 Kontrakte mit einer Market Order kauft, wird in den meisten Märkten mehr Slippage erfahren als einer, der nur einen Kontrakt kauft.
Ordertyp
Market Orders sind am anfälligsten für Slippage, da sie zum bestmöglich verfügbaren Preis ausgeführt werden — unabhängig davon, wo dieser liegt. Limit Orders vermeiden Slippage nach oben (bei Käufen) oder nach unten (bei Verkäufen), bergen aber das Risiko, nicht ausgeführt zu werden.
Slippage in verschiedenen Märkten
Die Höhe der Slippage variiert erheblich je nach Markt:
- Hochliquide Futures (ES, NQ): Slippage oft nur 1 Tick oder weniger unter normalen Bedingungen
- Weniger liquide Futures (Rohstoffe, Zinsfutures): Slippage von 2-5 Ticks möglich
- Aktien mit geringem Volumen: Slippage kann erheblich sein, besonders bei größeren Orders
- Während News-Events: Slippage kann in allen Märkten sprunghaft ansteigen
Slippage messen und tracken
Professionelle Trader messen ihre Slippage systematisch:
Slippage = Tatsächlicher Ausführungspreis - Erwarteter Preis
Die kumulative Slippage über viele Trades kann einen erheblichen Einfluss auf die Gesamtperformance haben. Ein Trader, der täglich 10 Trades mit durchschnittlich 1 Tick negativer Slippage macht, verliert über ein Jahr hinweg einen signifikanten Betrag allein durch Slippage.
Wie lässt sich Slippage minimieren?
Mehrere Ansätze helfen, Slippage zu reduzieren:
- Limit Orders verwenden: Garantieren einen maximalen Kaufpreis oder minimalen Verkaufspreis
- Liquide Märkte handeln: Märkte mit hohem Volumen und engen Spreads bieten weniger Slippage
- News-Phasen meiden: Die größte Slippage tritt rund um wichtige Datenveröffentlichungen auf
- Positionsgröße anpassen: Kleinere Positionen erzeugen weniger Market Impact
- Stop-Limit statt Stop-Market: Stop-Limit-Orders begrenzen die maximale Slippage bei Stops, bergen aber das Risiko der Nichtausführung
Häufige Fehler im Umgang mit Slippage
1. Slippage ignorieren
Viele Trader rechnen in ihrem Trading-Plan mit exakten Fills und wundern sich dann, warum ihre reale Performance schlechter ist als erwartet. Besonders bei engem CRV (z. B. 1:1) kann schon 1 Tick Slippage pro Trade den gesamten Edge auffressen. Slippage muss als fester Kostenfaktor eingeplant werden.
2. Market Orders in illiquiden Phasen
Wer kurz nach Marktöffnung oder in den letzten Handelsminuten Market Orders schickt, erlebt oft deutlich höhere Slippage. In diesen Phasen ist das Orderbuch dünner besetzt, und selbst kleine Orders können mehrere Ticks durchrutschen.
3. Zu große Positionen für den Markt
Ein Trader, der 20 Kontrakte im MNQ mit einer Market Order kauft, wird deutlich mehr Slippage erleben als einer, der 2 Kontrakte kauft. Die Positionsgröße muss zur Liquidität des gehandelten Instruments passen.
FAQ
Ist Slippage immer schlecht?
Nein. Slippage kann auch positiv sein, wenn eine Order zu einem besseren Preis als erwartet ausgeführt wird. Im Durchschnitt überwiegt bei Market Orders jedoch die negative Slippage.
Wie viel Slippage ist normal?
In hochliquiden Futures wie dem E-Mini S&P 500 ist unter normalen Bedingungen eine Slippage von 0-1 Tick üblich. In weniger liquiden Märkten oder bei News-Events können mehrere Ticks auftreten.
Kann ich Slippage komplett vermeiden?
Durch die ausschließliche Verwendung von Limit Orders lässt sich Slippage eliminieren. Der Nachteil ist, dass Limit Orders nicht immer ausgeführt werden und Trader dadurch Handelsmöglichkeiten verpassen können.
Wie wirkt sich Slippage auf mein CRV aus?
Slippage verschlechtert dein effektives CRV, weil dein tatsächlicher Einstieg oder Ausstieg vom geplanten Preis abweicht. Wenn du ein CRV von 1:2 planst und sowohl beim Einstieg als auch beim Ausstieg jeweils 1 Tick Slippage hast, reduziert sich dein realer Gewinn um 2 Ticks, während dein realer Verlust um 2 Ticks steigt. Bei engen Trades mit wenigen Ticks Stop kann das den gesamten Edge auffressen. Berücksichtige Slippage als festen Kostenfaktor in deiner Planung.
Ist Slippage bei Stop-Loss-Orders ein Problem?
Ja, besonders in schnellen Märkten. Ein Stop Loss wird zu einer Market Order, sobald das Stop-Level erreicht wird. In Phasen hoher Volatilität oder bei Gaps kann der tatsächliche Ausstiegspreis mehrere Ticks vom Stop-Level entfernt liegen. Plane deshalb einen kleinen Puffer ein, wenn du dein Risiko pro Trade kalkulierst.