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GlossarOrderflow Analyse

Bid-Ask Spread

Der Bid-Ask Spread ist die Differenz zwischen dem höchsten Kaufangebot (Bid) und dem niedrigsten Verkaufsangebot (Ask) im Orderbuch und stellt die Kosten der sofortigen Ausführung dar.

Marco BösingVon Marco Bösing5 Min. Lesezeit

Was ist der Bid-Ask Spread?

Der Bid-Ask Spread (auch Geld-Brief-Spanne) ist die Differenz zwischen dem besten Bid (dem höchsten Preis, zu dem jemand bereit ist zu kaufen) und dem besten Ask (dem niedrigsten Preis, zu dem jemand bereit ist zu verkaufen). Er ist die grundlegendste Messgröße für die Kosten einer sofortigen Ausführung.

Wenn ein Trader eine Market-Kauforder aufgibt, zahlt er den Ask-Preis. Verkauft er sofort wieder mit einer Market-Verkaufsorder, erhält er den Bid-Preis. Die Differenz -- der Spread -- ist der Verlust, der bei sofortigem Kauf und Verkauf entsteht.

Bestandteile des Spreads

Best Bid

Der Best Bid ist die höchste Limit-Kauforder im Orderbuch. Er repräsentiert den höchsten Preis, den ein Käufer bereit ist zu zahlen.

Best Ask (Best Offer)

Der Best Ask ist die niedrigste Limit-Verkaufsorder im Orderbuch. Er repräsentiert den niedrigsten Preis, zu dem ein Verkäufer bereit ist zu verkaufen.

Spread-Berechnung

Spread = Best Ask - Best Bid

Beispiel im NQ Futures: Best Bid = 18.250,00 / Best Ask = 18.250,25 -> Spread = 0,25 Punkte (= 1 Tick = 5 USD pro Kontrakt)

Spread als Liquiditätsindikator

Der Spread ist ein direkter Indikator für die Marktliquidität:

  • Enger Spread (z. B. 1 Tick): Hohe Liquidität, viele Marktteilnehmer, geringe Handelskosten. Typisch für liquide Futures wie ES, NQ oder Bund-Futures
  • Weiter Spread (mehrere Ticks): Geringe Liquidität, wenige Marktteilnehmer, höhere Handelskosten. Typisch für illiquide Instrumente oder außerhalb der Haupthandelszeiten

Spread-Dynamik

Der Spread ist nicht statisch, sondern verändert sich mit den Marktbedingungen:

  • Vor News-Events: Der Spread weitet sich, da Market Maker ihr Risiko reduzieren
  • Bei hoher Volatilität: Der Spread weitet sich, da Unsicherheit steigt
  • In ruhigen Phasen: Der Spread verengt sich, da Market Maker um Orderflow konkurrieren
  • Am Tagesende: Der Spread kann sich weiten, wenn Liquiditätsanbieter Positionen glattstellen

Warum sich der Spread vor News weitet

Ich sehe das bei jedem CPI- oder FOMC-Tag: Minuten vor der Veröffentlichung ziehen Market Maker ihre Limit-Orders aus dem Orderbuch zurück. Sie wollen nicht das Risiko eingehen, in einer plötzlichen Bewegung auf der falschen Seite zu stehen. Das Ergebnis ist ein dünneres Orderbuch und ein breiterer Spread. Für dich als Trader bedeutet das: Die Kosten einer Market Order steigen genau in dem Moment, in dem viele Trader am liebsten schnell einsteigen wollen.

Spread und Trading-Kosten

Für aktive Trader ist der Spread ein wesentlicher Kostenfaktor:

  • Scalper handeln hunderte Male am Tag und zahlen den Spread bei jedem Trade. Ein Spread von 1 Tick bei 100 Trades bedeutet 100 Ticks an Spread-Kosten
  • Swing-Trader zahlen den Spread nur beim Ein- und Ausstieg. Der relative Einfluss auf den Gesamtgewinn ist geringer
  • Limit-Order-Trader können den Spread umgehen, indem sie Liquidität bereitstellen statt sie zu nehmen. Sie verdienen den Spread, statt ihn zu zahlen

Spread-Kosten im Kontext

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Scalper handelt den NQ mit 50 Round-Trips pro Tag. Bei einem Spread von 1 Tick (0,25 Punkte = 5 USD pro Kontrakt) zahlt er 50 x 5 USD = 250 USD täglich allein an Spread-Kosten. Auf einen Monat mit 20 Handelstagen sind das 5.000 USD. Dazu kommen noch Kommissionen. Diese Rechnung zeigt, warum Spread-Effizienz für aktive Trader nicht optional ist.

Die Rolle des Market Makers

Market Maker sind die wichtigsten Liquiditätsanbieter im Orderbuch. Sie stellen kontinuierlich Bid- und Ask-Quotes und verdienen am Spread. In liquiden Märkten konkurrieren viele Market Maker miteinander, was den Spread eng hält. In illiquiden Märkten gibt es weniger Konkurrenz, und der Spread weitet sich.

Für uns als Trader ist das relevant, weil der Market Maker am anderen Ende unserer Market Orders steht. Er ist bereit, das Risiko zu übernehmen -- aber nur gegen eine Prämie, und diese Prämie ist der Spread.

Häufige Fehler

  • Spread ignorieren beim Backtesting: Viele Backtests rechnen ohne Spread-Kosten. Das Ergebnis sieht profitabel aus, ist es in der Realität aber nicht. Rechne den Spread immer ein.
  • In illiquiden Zeiten handeln: Der Spread in der Asian Session kann im NQ bei 2-4 Ticks liegen. Dasselbe Setup, das in der US-Session mit 1 Tick Spread profitabel ist, wird in der Asian Session zum Verlustgeschäft.
  • Market Orders bei weitem Spread: Vor News oder am Tagesende eine Market Order abzusetzen, wenn der Spread bei 3-4 Ticks liegt, bedeutet, dass du sofort mit einem deutlichen Nachteil startest.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist der Spread bei Futures typischerweise enger als bei CFDs?

Futures werden an zentralen Börsen gehandelt, wo tausende Marktteilnehmer direkt konkurrieren. CFDs werden gegen den Broker gehandelt, der den Spread als Einnahmequelle nutzt und keinen echten Wettbewerb zulassen muss. Das Ergebnis: Futures-Spreads sind in liquiden Märkten fast immer bei 1 Tick, während CFD-Spreads deutlich breiter ausfallen.

Was ist ein normaler Spread für den NQ Futures?

Während der Haupthandelszeiten (US-Session) liegt der NQ Futures-Spread bei 0,25 Punkten (1 Tick). Außerhalb der Haupthandelszeiten oder vor wichtigen News kann sich der Spread auf 2-4 Ticks ausweiten. Im ES (S&P 500 Futures) ist der Spread ebenfalls fast durchgehend bei 1 Tick während der regulären Handelszeiten.

Kann der Spread 0 sein?

Theoretisch nicht, da Bid und Ask verschiedene Marktteilnehmer repräsentieren. In der Praxis liegt der Minimalspread bei 1 Tick (der kleinsten handelbaren Preiseinheit). Selbst in den liquidesten Märkten der Welt wie dem ES-Future gibt es immer mindestens 1 Tick Spread.

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