Was ist das Orderbuch (DOM)?
Das Orderbuch, auch Depth of Market (DOM) genannt, ist eine tabellarische Darstellung aller aktuell im Markt platzierten Limit Orders. Es zeigt auf jedem Preislevel die Anzahl der wartenden Kauf-Orders (Bids) und Verkaufs-Orders (Asks). Im Orderbuch sehe ich alles, was noch nicht abgearbeitet wurde, also alle Limit Orders, die noch frei im Markt stehen und darauf warten, von einer Market Order getroffen zu werden.
Im DOM wird sichtbar, wo Liquidität bereitgestellt wird und wie sich diese in Echtzeit verändert. Große Limit Orders können als Unterstützung oder Widerstand fungieren, während das plötzliche Verschwinden von Orders (Pulling) oder das Platzieren und Stornieren großer Orders (Spoofing) auf manipulatives Verhalten hindeutet. Der Preis bewegt sich dabei immer von Liquidität zu Liquidität, weil Marktteilnehmer dort handeln, wo Umsatz generiert werden kann.
Die Orderbuch-Analyse ist besonders bei Futures-Märkten wie dem NQ und ES wertvoll, da hier alle Orders an einer zentralen Börse zusammenlaufen und ein vollständiges Bild der Liquidität entsteht. In meinem eigenen Trading nutze ich Bookmap, um das Orderbuch als Heatmap zu visualisieren und die Dynamik der Liquidität über die Zeit nachzuvollziehen.
Wie funktioniert das Orderbuch?
Das Orderbuch zeigt mir die Level-2-Daten, also alle Limit Orders, die aktuell im Markt stehen. Dabei gibt es zwei grundlegend verschiedene Arten von Liquidität, die ich unterscheiden muss: langfristige Liquidität und kurzfristige Liquidität.
Langfristige Liquidität sind Orders, die schon länger im Orderbuch liegen. Sie wirken wie ein Magnet auf den Preis, weil andere Marktteilnehmer sich darauf einstellen können. Wenn ein großer Marktteilnehmer weiß, dass 30 Ticks über dem aktuellen Preis Liquidität liegt, plant er seine Trades entsprechend. Große institutionelle Trader brauchen diese Liquidität, um ihre Positionen aufzubauen oder zu schließen. Das Umsatzprinzip besagt, dass der Markt sich immer dorthin bewegt, wo der größtmögliche Umsatz generiert werden kann.
Kurzfristige Liquidität hingegen wirkt abschreckend. Wenn eine große Order plötzlich ins Buch gelegt wird, reagieren andere Marktteilnehmer mit Angst. Der Preis springt kurzfristig weg, weil niemand gegen einen möglicherweise großen Marktteilnehmer antreten will. Dieses Verhalten wird beim Spoofing ausgenutzt, indem große Orders nur zum Schein platziert und kurz darauf wieder gelöscht werden.
Ein drittes Phänomen sind Verschiebungen: Eine große Limit Order wird gelöscht und sofort auf einem anderen Preislevel wieder reingelegt. Das deutet auf einen echten Marktteilnehmer hin, der seinen Preis anpasst, weil er noch nicht gefüllt wurde. Wenn du siehst, wie Liquidität immer näher an den Preis gezogen wird, ist das oft ein Zeichen für echtes institutionelles Interesse.
Orderbuch in der Praxis
In Bookmap sehe ich die Liquidität als Heatmap. Dort, wo viel Liquidität liegt, sind die Bereiche farblich hervorgehoben. Langfristige Liquidität erscheint als durchgehende Linie, die über Minuten oder Stunden bestehen bleibt. Kurzfristige Liquidität blitzt auf und verschwindet.
Ein praktisches Beispiel: Ich sehe, dass über dem aktuellen Preis eine große Limit Sell Order seit einer Stunde im Buch liegt. Der Preis steigt langsam in diese Richtung. Die Order wird nicht gelöscht, sondern der Marktteilnehmer verschiebt sie sogar näher an den aktuellen Preis. Das sagt mir, dass er echt ist und verkaufen will. Wenn der Preis diese Liquidität erreicht, wird der Umsatz dort generiert und ich weiß, dass ich dort mit einem Short rechnen kann.
Das Gegenteil: Eine riesige Bid-Order wird plötzlich reingelegt, der Preis springt nach oben weg, und die Order wird sofort gelöscht. Das ist klassisches Spoofing. Ich nutze diese abschreckende Wirkung, indem ich in die Gegenrichtung trade, weil der Markt durch die falsche Liquidität vertrieben wird.
Häufige Fehler beim Orderbuch
Jede große Order als Support oder Resistance interpretieren: Nicht jede große Limit Order ist echt. Spoofing und Pulling sind an der Tagesordnung. Nur weil eine große Order im Buch steht, heißt das nicht, dass sie auch dort bleibt, wenn der Preis sie erreicht.
Kurzfristige und langfristige Liquidität verwechseln: Eine Order, die seit Sekunden im Buch steht, hat eine völlig andere Bedeutung als eine, die seit einer Stunde da liegt. Langfristige Liquidität zieht an, kurzfristige schreckt ab.
Das Orderbuch isoliert betrachten: Das Orderbuch zeigt nur die eine Seite, die Limit Orders. Ohne den Orderflow zu betrachten, also die Market Orders, die tatsächlich ausgeführt werden, fehlt die Hälfte des Bildes.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Level 1 und Level 2 Daten?
Level-1-Daten zeigen nur den besten Bid- und Ask-Preis mit der zugehörigen Größe. Level-2-Daten zeigen das gesamte Orderbuch mit allen Limit Orders auf allen sichtbaren Preislevels. Für die Orderbuch-Analyse brauchst du Level-2-Daten, weil nur dort die volle Liquiditätsverteilung sichtbar wird.
Kann ich mit dem Orderbuch alleine traden?
Es gibt Trader, die primär das Orderbuch nutzen, besonders im Scalping. Aber der reine Orderbuch-Handel ist extrem schnell und mental belastend. In meinem Ansatz nutze ich das Orderbuch als Ergänzung zum Footprint Chart und zum übergeordneten Rahmen, nicht als eigenständiges System.
Wie erkenne ich Spoofing im Orderbuch?
Spoofing erkennst du an großen Orders, die plötzlich auftauchen und genauso plötzlich wieder verschwinden, typischerweise innerhalb von Sekunden. In Bookmap siehst du das als kurze, helle Punkte in der Heatmap, die nie zu einer ausgeführten Order werden. Der Preis reagiert trotzdem darauf, und genau das ist die Absicht des Spoofers.
Lies den vollständigen Artikel: Orderbuch-Analyse im Trading