Was sind Futures?
Futures sind standardisierte Terminkontrakte, die an regulierten Börsen wie der CME Group gehandelt werden. Jeder Future-Kontrakt legt exakt fest, welcher Basiswert (z. B. ein Aktienindex, Rohstoff oder eine Währung) zu welchem Preis und an welchem Verfallstag geliefert oder bar abgerechnet wird. Die Standardisierung betrifft alles: Kontraktgröße, Tick Size, Verfallstermine und Handelszeiten. Du als Trader musst dir nur überlegen, ob du kaufst oder verkaufst und wie viele Kontrakte.
Im Gegensatz zu CFDs oder Optionsscheinen bieten Futures vollständige Markttransparenz: Alle Orders laufen über eine zentrale Börse, und jeder Marktteilnehmer sieht dasselbe Orderbuch. Es gibt keinen Market Maker, der gegen dich handelt, keinen künstlich gestellten Spread, und keine Requotes. Genau deshalb eignen sich Futures besonders gut für die Orderflow-Analyse und professionelles Trading. Ich trade ausschließlich Futures, weil ich damit die echten Daten sehe, die mir zeigen, was die großen Marktteilnehmer tun.
Wie funktioniert ein Futures-Kontrakt?
Beim Kauf eines Futures gehst du eine Verpflichtung ein. Du musst aber nicht den vollen Kontraktwert aufbringen, sondern hinterlegst lediglich eine Margin (Sicherheitsleistung). Für den E-mini Nasdaq-100 (NQ) liegt die Intraday-Margin bei vielen Brokern zwischen 500 und 2.000 Dollar, während der Kontraktwert bei rund 400.000 Dollar liegt. Das ergibt einen erheblichen Hebel, den du verstehen und respektieren musst.
Die tägliche Gewinn- und Verlustabrechnung erfolgt über das Mark-to-Market-Verfahren. Jeden Tag wird deine offene Position zum Settlement Price bewertet. Gewinne werden deinem Konto gutgeschrieben, Verluste abgezogen. Das passiert automatisch, du musst nichts tun.
Die wichtigsten Merkmale eines Futures-Kontrakts:
- Standardisiert: Kontraktgröße, Tick Size und Verfallstermine sind von der Börse vorgegeben
- Zentrales Clearing: Eine Clearingstelle (z. B. CME Clearing) tritt als Gegenpartei auf und eliminiert das Ausfallrisiko. Du handelst nie direkt gegen einen anderen Marktteilnehmer
- Hebelwirkung: Durch die Margin-Anforderung wird nur ein Bruchteil des Kontraktwerts als Sicherheit benötigt. Das ermöglicht große Positionen, birgt aber auch höheres Risiko
- Verfallsdatum: Jeder Kontrakt hat ein festes Ablaufdatum. Bei Index-Futures verfallen die Kontrakte quartalsweise (März, Juni, September, Dezember). Vor dem Verfall musst du entweder glattstellen oder in den nächsten Kontrakt rollen
Für Daytrader ist das Verfallsdatum in der Regel kein Problem, weil Positionen innerhalb des Tages eröffnet und geschlossen werden. Für Swing Trader, die Positionen über mehrere Tage halten, ist der Kontraktwechsel (Roll) ein Thema, das sie einplanen müssen.
Warum Futures handeln?
Futures bieten einige entscheidende Vorteile gegenüber anderen Instrumenten, und ich sage das nicht aus theoretischer Sicht, sondern aus der Erfahrung heraus:
- Transparenz -- Zentralisierter Handel mit echtem Orderbuch. Jeder sieht die gleichen Daten. Es gibt keine Broker-eigenen Preisfeeds oder synthetische Kurse
- Liquidität -- Hohe Handelsvolumina und enge Spreads, besonders bei den E-mini und Micro Futures. Im NQ liegt der Spread fast immer bei einem Tick (0,25 Punkte)
- Faire Kostenstruktur -- Du zahlst eine fixe Kommission pro Kontrakt (typischerweise zwischen 1 und 4 Dollar Round-Turn) und den Spread. Keine versteckten Aufschläge wie bei CFDs
- Steuerliche Behandlung -- In Deutschland werden Futures-Gewinne als Derivate klassifiziert und können mit anderen Derivat-Gewinnen und -Verlusten verrechnet werden. In den USA gilt die günstige 60/40-Regel (60 % langfristiger Steuersatz, 40 % kurzfristiger)
- Orderflow-Analyse -- Weil alle Orders über eine zentrale Börse laufen, kannst du im Footprint Chart sehen, wo Market Orders auf Limit Orders treffen, wo Big Trades stattfinden und wo Absorptionen auftreten
Der wichtigste Vorteil für mich ist die Kombination aus Transparenz und Orderflow. In keinem anderen Instrument siehst du so klar, was im Markt passiert. CFDs basieren auf abgeleiteten Kursen, Forex ist dezentral, und Aktien haben fragmentierte Börsenplätze. Futures sind das sauberste Instrument für Price-Action- und Orderflow-Trading.
Für einen Einstieg in das Thema empfehle ich unseren Leitfaden für Futures-Trading-Anfänger.
Häufige Fehler bei Futures
Den Hebel unterschätzen: Ein NQ-Kontrakt bewegt 5 Dollar pro Tick. Bei 100 Ticks Bewegung sind das 500 Dollar Gewinn oder Verlust, pro Kontrakt. Anfänger, die mit zu vielen Kontrakten handeln, können ihr Konto in einem einzigen Trade erheblich beschädigen. Starte klein, am besten mit Micro Futures.
CFD-Gewohnheiten auf Futures übertragen: Bei CFDs gibt es oft keinen echten Markt, und der Broker stellt den Kurs. Bei Futures handelst du am echten Markt mit echtem Orderbuch. Das bedeutet auch, dass Slippage real ist und dass deine Order nicht immer zum gewünschten Preis ausgeführt wird.
Die Handelszeiten ignorieren: Futures handeln fast 24 Stunden (Sonntag 18:00 bis Freitag 17:00 Eastern). Aber die Liquidität ist nicht gleichmäßig verteilt. Die höchste Liquidität im NQ gibt es zwischen 9:30 und 16:00 Uhr Eastern (US Cash Session). Außerhalb dieser Zeiten sind Spreads breiter und die Preisbewegungen weniger verlässlich.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Futures und CFDs?
Futures sind standardisierte Kontrakte, die an regulierten Börsen gehandelt werden. Jeder Marktteilnehmer sieht das gleiche Orderbuch, und eine Clearingstelle garantiert die Abwicklung. CFDs sind OTC-Produkte (Over-the-Counter), bei denen du gegen deinen Broker handelst, der den Kurs stellt. Futures bieten echte Marktdaten für die Orderflow-Analyse, CFDs nicht. Lies mehr in unserem Vergleich Futures vs. CFDs.
Wie viel Kapital brauche ich für Futures-Trading?
Das hängt vom Kontrakt ab. Für Micro Futures (z. B. MNQ) liegt die Intraday-Margin bei einigen Brokern bei unter 100 Dollar. Für den E-mini NQ brauchst du typischerweise 500 bis 2.000 Dollar Intraday-Margin. Ich empfehle aber ein Konto von mindestens 5.000 bis 10.000 Dollar für Micro Futures und 25.000+ Dollar für E-minis, um ausreichend Puffer für Verlustphasen zu haben.
Welche Futures eignen sich für Anfänger?
Micro Futures (MES, MNQ, MYM, M2K) sind ideal für den Einstieg, weil sie ein Zehntel der Kontraktgröße eines E-mini haben. Du kannst damit echte Markterfahrung sammeln, ohne großes Kapital zu riskieren. Sobald du konsistent profitabel bist, kannst du auf E-mini-Kontrakte umsteigen.