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GlossarOrderflow Analyse

Footprint Chart

Ein Footprint Chart zeigt für jedes Preislevel die Anzahl der gehandelten Kontrakte, aufgeteilt in Käufe (Trades am Ask) und Verkäufe (Trades am Bid), und macht so aggressive Marktaktivität sichtbar.

Marco BösingVon Marco Bösing5 Min. Lesezeit

Was ist ein Footprint Chart?

Ein Footprint Chart ist ein spezieller Charttyp aus der Orderflow-Analyse, der das gehandelte Volumen pro Preislevel in Käufe und Verkäufe aufschlüsselt. Anders als ein normaler Candlestick-Chart, der nur Open, High, Low und Close anzeigt, zeigt der Footprint Chart exakt, wie viele Kontrakte am Bid und am Ask gehandelt wurden. Es sind die gleichen Daten, die auch im Tape oder im CVD stecken, nur anders dargestellt.

Die linke Seite jeder Zelle zeigt Trades am Bid (Verkäufe durch Market Orders), die rechte Seite zeigt Trades am Ask (Käufe durch Market Orders). Aus dieser Aufteilung lassen sich Muster wie Imbalances, Absorptionen und Exhaustions direkt ablesen. Ich nutze den Footprint Chart in ATAS als mein primäres Analysetool, weil er mir auf einen Blick zeigt, was unter der Oberfläche einer Kerze passiert.

Der Footprint Chart ist das zentrale Werkzeug für Orderflow-Trader, um aggressive Aktivität institutioneller Marktteilnehmer zu erkennen. Jede Kerze wird aufgeklappt und gibt den kompletten Preisverlauf Tick für Tick preis. Dadurch sehe ich nicht nur, dass der Preis gestiegen ist, sondern auch, wer ihn bewegt hat und mit welchem Volumen.

Wie funktioniert ein Footprint Chart?

Im Footprint Chart wird jede Kerze in einzelne Preislevels aufgeteilt. Auf jedem Level stehen zwei Zahlen: Links das Bid-Volumen (aggressive Verkäufer, die per Market Order am Bid gehandelt haben) und rechts das Ask-Volumen (aggressive Käufer, die per Market Order am Ask gehandelt haben).

Aus dem Verhältnis dieser beiden Zahlen ergibt sich das Delta pro Preislevel. Ist das Ask-Volumen deutlich größer als das Bid-Volumen, liegt eine Imbalance in Kaufrichtung vor. Wenn drei oder mehr solcher Imbalances übereinander gestapelt auftreten, spricht man von einer Stacked Imbalance, die auf konzentrierten aggressiven Druck hinweist.

Darüber hinaus kann ich im Footprint Chart erkennen, wo hohes Volumen gehandelt wurde, ohne dass sich der Preis bewegt hat. Das sind Absorptionen. Und ich sehe, wo das Volumen progressiv abnimmt, obwohl der Preis weiter in eine Richtung läuft. Das sind Exhaustions. Diese beiden Muster gehören zu den wichtigsten Signalen, die der Footprint Chart liefert.

Die meisten Plattformen bieten verschiedene Footprint-Varianten an: den klassischen Bid-Ask-Footprint, den Delta-Footprint (der nur die Differenz zeigt) und den Volume-Footprint (der das Gesamtvolumen pro Level anzeigt). Für die Orderflow-Analyse ist der Bid-Ask-Footprint am aussagekräftigsten, weil er die volle Information liefert.

Footprint Chart in der Praxis

Im NQ (Nasdaq-100 Futures) arbeite ich mit dem Footprint Chart, um die Aktivität an relevanten Preislevels zu bewerten. Ein typisches Szenario: Der Preis kommt an ein Widerstandslevel, und ich sehe im Footprint, dass aggressive Käufer mit hohem Volumen am Ask handeln. Aber der Preis steigt nicht. Das bedeutet, die Limit-Verkäufer absorbieren die Käufe. Das ist ein starkes Short-Signal.

Ein weiteres Beispiel aus der Praxis: Am Hochpunkt einer Aufwärtsbewegung sehe ich im Footprint, dass das Delta von Level zu Level abnimmt. Oben, wo der Preis am höchsten steht, gibt es kaum noch aggressive Käufer. Das ist eine Exhaustion im Footprint. Der Markt hat keine Kraft mehr für eine Fortsetzung. Genau an solchen Stellen suche ich nach Short-Einstiegen, wenn der übergeordnete Rahmen dazu passt.

Der Footprint Chart zeigt mir auch Big Trades als auffällig große Volumen auf einzelnen Preislevels. Wenn ich sehe, dass jemand mit 50 Kontrakten am Ask kauft und der Preis trotzdem fällt, weiß ich, dass dieser Käufer gescheitert ist. Ein Failed Orderflow, der mir ein Signal in die Gegenrichtung gibt.

Häufige Fehler beim Footprint Chart

Jedes Level einzeln analysieren: Der Footprint Chart liefert enorm viele Datenpunkte. Wer versucht, jedes einzelne Preislevel in jeder Kerze zu bewerten, verliert den Überblick. Es geht darum, Muster zu erkennen, nicht einzelne Zahlen zu interpretieren.

Den Footprint ohne Kontext lesen: Ein Footprint Chart ohne übergeordnete Marktstruktur ist wertlos. Ich muss wissen, ob ich Long oder Short suche, bevor ich in den Footprint schaue. Der Footprint bestätigt, er gibt nicht die Richtung vor.

Zu kleine Zeiteinheiten wählen: Im Footprint Chart auf einem 1-Minuten-Chart ertrinke ich in Daten. Für die meisten Trader sind 5-Minuten oder 15-Minuten-Footprints ein guter Startpunkt, um die relevanten Muster zu erkennen, ohne überfordert zu werden.

FAQ

Welche Software brauche ich für Footprint Charts?

Die verbreitetsten Plattformen für Footprint Charts sind ATAS und Sierra Chart. ATAS ist meine persönliche Wahl, weil die Darstellung intuitiv ist und die Templates schnell anpassbar sind. Sierra Chart bietet ähnliche Funktionen, hat aber eine steilere Lernkurve. Beide Plattformen arbeiten mit echten Börsendaten.

Funktioniert der Footprint Chart im ES genauso wie im NQ?

Die Grundlogik ist identisch, aber die Interpretation unterscheidet sich. Der NQ ist deutlich dünner als der ES, was bedeutet, dass Imbalances im NQ fast ständig auftreten. Im ES sind Imbalances und besonders Stacked Imbalances aussagekräftiger, weil dort mehr Liquidität vorhanden ist und ein Ungleichgewicht mehr Gewicht hat.

Wie lange brauche ich, um Footprint Charts lesen zu lernen?

Das Erkennen der Grundmuster wie Imbalances und Absorptionen geht relativ schnell, innerhalb weniger Wochen. Die wirkliche Fähigkeit, Footprint Charts im Kontext zu lesen und daraus Handelsentscheidungen abzuleiten, erfordert Monate an Bildschirmzeit und Übung. Es ist keine Abkürzung, aber es lohnt sich.

Lies den vollständigen Artikel: Footprint Chart lesen

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