Kostenloses Erstgespräch

GlossarOrderflow Analyse

Imbalance

Eine Imbalance ist ein signifikantes Ungleichgewicht zwischen dem Kauf- und Verkaufsvolumen auf einem Preislevel im Footprint Chart, typischerweise wenn eine Seite die andere um mindestens 300 % übersteigt.

Marco BösingVon Marco Bösing3 Min. Lesezeit

Was ist eine Imbalance?

Eine Imbalance im Orderflow-Kontext bezeichnet ein signifikantes Ungleichgewicht zwischen dem Kauf- und Verkaufsvolumen auf einem bestimmten Preislevel im Footprint Chart. Sie tritt auf, wenn das Volumen auf einer Seite (Bid oder Ask) das der anderen Seite um ein definiertes Verhältnis übersteigt — typischerweise 300 % oder mehr.

Die Imbalance wird berechnet, indem das Ask-Volumen eines Preislevels mit dem Bid-Volumen des darunterliegenden Preislevels verglichen wird (diagonal). Diese diagonale Berechnung spiegelt den tatsächlichen Mechanismus der Preisbewegung wider: Ein aggressiver Käufer am Ask kämpft gegen einen passiven Verkäufer am darunterliegenden Bid.

Arten von Imbalances

Ask-Imbalance (Buying Imbalance)

Eine Ask-Imbalance liegt vor, wenn das Ask-Volumen auf einem Level das Bid-Volumen des darunterliegenden Levels deutlich übersteigt. Dies zeigt starken aggressiven Kaufdruck an.

Bid-Imbalance (Selling Imbalance)

Eine Bid-Imbalance liegt vor, wenn das Bid-Volumen auf einem Level das Ask-Volumen des darüberliegenden Levels deutlich übersteigt. Dies zeigt starken aggressiven Verkaufsdruck an.

Imbalances im Footprint Chart lesen

Die meisten Orderflow-Plattformen heben Imbalances visuell hervor — typischerweise durch farbliche Markierung der betroffenen Zellen im Footprint Chart:

  • Grün/Blau: Ask-Imbalances (Kaufdruck)
  • Rot: Bid-Imbalances (Verkaufsdruck)

Einzelne Imbalance

Eine einzelne Imbalance auf einem Preislevel hat für sich genommen eine begrenzte Aussagekraft. Sie zeigt, dass an diesem Tick ein Ungleichgewicht herrschte, aber daraus allein lässt sich kein verlässliches Signal ableiten.

Stacked Imbalances

Wenn Imbalances auf drei oder mehr aufeinanderfolgenden Preislevels in dieselbe Richtung auftreten, spricht man von einer Stacked Imbalance. Diese haben eine deutlich höhere Signalwirkung, da sie koordinierten aggressiven Druck anzeigen.

Imbalances im Trading-Kontext

Imbalances als Einstiegssignal

Starke Stacked Imbalances, die in Richtung eines bestehenden Trends auftreten, können als Bestätigung für einen Einstieg dienen. Sie zeigen, dass aggressive Marktteilnehmer die Trendrichtung unterstützen.

Imbalances als Referenzniveaus

Die Preislevels, an denen starke Imbalances auftraten, können in Zukunft als Unterstützungs- oder Widerstandszonen fungieren. Die Logik: An diesen Levels war aggressive institutionelle Aktivität vorhanden, die bei erneutem Besuch wieder aktiviert werden kann.

Imbalances und Absorption

Wenn eine starke Imbalance auftritt, der Preis sich aber nicht in die Richtung des Ungleichgewichts bewegt, liegt möglicherweise eine Absorption durch die Gegenseite vor. Diese Konstellation gehört zu den stärksten Umkehrsignalen im Orderflow.

Imbalance-Verhältnisse einstellen

Das Imbalance-Verhältnis ist konfigurierbar. Gängige Einstellungen:

  • 150 %: Sensibel, viele Imbalances werden angezeigt — geeignet für illiquide Märkte
  • 300 %: Standard, gut geeignet für die meisten Futures-Märkte
  • 400-500 %: Konservativ, nur extreme Ungleichgewichte werden markiert

Die richtige Einstellung hängt vom Instrument und der gewünschten Sensitivität ab.

Häufig gestellte Fragen

Ist jede Imbalance ein Handelssignal?

Nein. Einzelne Imbalances sind häufig und haben allein wenig Aussagekraft. Erst im Kontext — als Stacked Imbalance, in Kombination mit anderen Orderflow-Signalen oder an Schlüsselniveaus — werden sie zu relevanten Signalen.

Warum wird die Imbalance diagonal berechnet?

Die diagonale Berechnung (Ask eines Levels vs. Bid des Levels darunter) spiegelt die Marktmechanik wider: Wenn Käufer am Ask aggressiv werden, drücken sie den Preis nach oben, und die relevante Gegenseite sind die Verkäufer auf dem darunterliegenden Bid-Level.

Welches Imbalance-Verhältnis sollte ich verwenden?

Für die meisten Futures-Märkte (ES, NQ, CL) ist ein Verhältnis von 300 % ein guter Ausgangspunkt. Experimentiere mit höheren Werten, wenn du weniger, aber stärkere Signale sehen möchtest.

Orderflow Trading professionell lernen

In unserem Mentoring lernst du diese Konzepte in über 1.500 Videolektionen mit echten Chartbeispielen.

Kostenloses Erstgespräch buchen

Verwandte Begriffe

Weitere Artikel