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GlossarOrderflow Analyse

Big Trades

Big Trades sind einzelne Transaktionen mit überdurchschnittlich hohem Volumen, die auf institutionelle Aktivität hindeuten und häufig an Wendepunkten oder bei Breakouts auftreten.

Marco BösingVon Marco Bösing5 Min. Lesezeit

Was sind Big Trades?

Big Trades sind einzelne Transaktionen, deren Volumen deutlich über dem Durchschnitt des jeweiligen Instruments liegt. Im Nasdaq-100 Futures (NQ) liegt die typische Schwelle bei etwa 25 bis 35 Kontrakten, an extremen Tagen auch bei 45, 55 oder sogar 60. Im ES (S&P 500 Futures) gelten entsprechend höhere Schwellen. Die genaue Einstellung wird an die aktuelle Marktaktivität angepasst, und genau diese Anpassung ist ein wesentlicher Teil der Arbeit.

Big Trades sind deshalb relevant, weil sie in der Regel auf größere Marktteilnehmer hindeuten. Dabei handelt es sich um aggregierte Daten. Das bedeutet: Es muss nicht zwingend ein einzelner Akteur sein. Es können auch mehrere Teilnehmer sein, die in so kurzer Abfolge handeln, dass die Dateninfrastruktur sie zusammenfasst. Die Problematik bei separaten Trades ist, dass unser Datenfeed die Geschwindigkeit gar nicht vollständig abbilden kann. Deshalb arbeiten wir mit aggregierten Werten, und das ist auch völlig in Ordnung.

Die Erkennung erfolgt über Time & Sales-Filter, Footprint Charts oder spezialisierte Orderflow-Software wie ATAS oder Bookmap, die große Transaktionen als farbige Punkte (Volume Dots) im Chart hervorheben. Grüne Punkte zeigen Ask Trades (Market Buys), rote Punkte zeigen Bid Trades (Market Sells).

Wie funktionieren Big Trades?

Der Big-Trades-Indikator macht im Grunde dasselbe wie ein Delta-Volumenprofil, nur in einer anderen Darstellung. Du siehst, wo und wann jemand eine überdurchschnittlich große Market Order ausgeführt hat. Das erlaubt dir, die aggressiven Marktteilnehmer direkt im Chart zu identifizieren, ohne eine Footprint-Kerze aufklappen zu müssen.

Die Denkweise dahinter ist einfach: Wenn ein Big Trade auftaucht (z. B. ein großer Market Buy auf der Ask-Seite), dann hat jemand mit mindestens der eingestellten Schwelle an Kontrakten aggressiv gekauft. Jetzt stellt sich die entscheidende Frage: Konnte dieser Käufer den Preis bewegen, oder nicht?

Wenn der Käufer den Preis nach oben bewegt, ist das ein "gewinnender" Orderflow. Das spricht für Long. Wenn der Käufer den Preis nicht bewegen konnte, obwohl er groß gehandelt hat, dann ist das ein "gescheiterter" Orderflow. Das spricht für Short. Denn wenn jemand mit 35 oder mehr Kontrakten den Preis nicht zum Steigen bringt, dann werde ich das mit meinen wenigen Kontrakten definitiv auch nicht schaffen.

Dieses Prinzip gilt symmetrisch: Große Verkäufer, die den Preis nach unten bringen, bestätigen den Short. Große Verkäufer, die den Preis nicht nach unten bewegen können, signalisieren, dass der Long wahrscheinlicher ist.

Big Trades in der Praxis

Im NQ nutze ich den Big-Trades-Indikator als eines meiner wichtigsten Werkzeuge. Vorbörslich arbeite ich typischerweise mit einer Schwelle von 20 bis 25 Kontrakten. Wenn die Börse öffnet, erhöhe ich auf 35. An Tagen mit extrem hoher Aktivität, zum Beispiel nach NFP oder um FOMC-Termine, muss ich die Schwelle auf 45, 55 oder sogar 60 hochdrehen, weil sonst der Chart mit Prints überflutet wird.

Das Ziel ist immer: Ich will nicht, dass der Chart voller Punkte ist. Ich will alle paar Minuten einen Print sehen, und wenn es wirklich wichtig wird, sehe ich eine Ansammlung von Prints an einem Preislevel. So erkenne ich, wo gekämpft wird, ohne dass das Bild verwässert.

Ein konkretes Beispiel: Der NQ handelt an einem kurzfristigen Hochpunkt. Dort erscheinen mehrere grüne Big-Trade-Punkte (Käufer). Die Punkte sind groß, das Volumen ist hoch. Aber der Preis steigt danach nicht. Unmittelbar darauf erscheint ein roter Punkt (Verkäufer). Das zeigt mir: Jemand hat erkannt, dass die Käufer gescheitert sind, und verkauft jetzt aggressiv. Die Käufer zu hohen Preisen sind die Verlierer. Der Short ist wahrscheinlich.

Umgekehrt: Käufer bei tiefen Preisen, die den Preis nach oben bewegen, das sind die klugen Käufer. Wenn deren Big Trades den Preis verschieben, gehe ich mit ihnen Long. Mehr Details und Chartbeispiele findest du in unserem Artikel zum Erkennen von Big Trades.

Häufige Fehler bei Big Trades

Die Schwelle nicht anpassen: Wer vorbörslich den gleichen Wert wie nach Market Open nutzt, sieht entweder zu wenig oder zu viel. Die Schwelle muss an die aktuelle Volatilität und Handelsaktivität angepasst werden. Es gibt keinen festen Wert, der immer passt.

Big Trades als Richtungssignal isoliert betrachten: Ein großer Kauf allein sagt nichts aus. Die entscheidende Frage ist: Hat der Käufer den Preis bewegen können, oder nicht? Erst die Kombination aus Big Trade und Preisreaktion ergibt ein handelbares Signal.

Die Swiped-Bereiche ignorieren: Wenn ein Big Trade den Preis von einem Level zu einem anderen schiebt (ein sogenannter Swipe durch das Orderbuch), zeigt der Indikator den Bereich an, durch den der Marktteilnehmer "durchgeschoben" hat. Das ist wertvolle Information, weil es zeigt, dass ein einzelner Akteur für diese Bewegung verantwortlich war, was auf fehlende Nachhaltigkeit hindeutet.

FAQ

Welche Schwelle sollte ich für Big Trades im NQ einstellen?

Als Faustregel: vorbörslich 20 bis 25 Kontrakte, nach Market Open 35 Kontrakte. An extremen Tagen (NFP, FOMC, OpEx) kann die Schwelle auf 45 bis 60 steigen. Das Ziel ist, nur die wirklich großen Transaktionen zu sehen, nicht jede etwas überdurchschnittliche Order. Wenn der Chart mit Prints übersät ist, ist die Schwelle zu niedrig.

Was bedeutet es, wenn Big Trades den Preis nicht bewegen?

Das ist ein "Failed Orderflow"-Signal. Wenn jemand mit 35 oder mehr Kontrakten aggressiv kauft und der Preis trotzdem nicht steigt, zeigt das, dass die Gegenseite (Limit Orders oder andere Market Sells) stärker ist. Das spricht für die Gegenrichtung. Bei gescheiterten Käufern suche ich Shorts, bei gescheiterten Verkäufern suche ich Longs.

Zeigen Big Trades immer institutionelle Aktivität?

Nicht notwendigerweise. Da die Daten aggregiert sind, kann ein Big Trade auch mehrere kleinere Trader darstellen, die zufällig in kurzer Abfolge gehandelt haben. Trotzdem: Volumen in dieser Größenordnung ist ungewöhnlich und zeigt mindestens, dass an diesem Preislevel überdurchschnittliches Interesse besteht. Ob ein einzelner Akteur oder ein Kollektiv dahintersteckt, ändert die Handelslogik nicht.

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