Was ist der Settlement Price?
Der Settlement Price (Abrechnungskurs) ist der offizielle Schlusskurs eines Futures-Kontrakts, der täglich von der Börse berechnet wird. Er dient als Grundlage für die Mark-to-Market-Bewertung, also die tägliche Gewinn- und Verlustabrechnung aller offenen Positionen. Wenn du eine Position über Nacht hältst und der Markt am nächsten Tag mit einer Lücke (Gap) eröffnet, wird dein Gewinn oder Verlust auf Basis des Vortages-Settlement berechnet, nicht auf Basis des letzten Handelspreises.
Die Berechnung erfolgt für den NQ auf Basis der Handelsaktivität in den letzten 30 Sekunden vor Handelsschluss (22:00 Uhr MEZ). Aus diesen Trades wird ein volumengewichteter Durchschnittspreis (VWAP) ermittelt, der als Settlement Price festgelegt wird. Die CME Group veröffentlicht den Settlement Price auf ihrer Website, und du findest ihn dort unter dem jeweiligen Front-Month-Kontrakt, also dem Kontrakt, den du aktuell handelst.
Für Trader ist der Settlement Price weit mehr als nur ein Abrechnungskurs. Er ist ein Preis, an dem echte Marktteilnehmer echtes Geld bewegen, und deshalb funktioniert er auch als Trading-Level.
Wie funktioniert der Settlement Price?
Portfolios müssen täglich bewertet werden. Und die Bewertung erfolgt anhand des Settlement Price. Das gilt besonders für ETF-Anbieter und alle, die Indexing betreiben. BlackRock, Vanguard, State Street und die anderen großen Indexfonds werden anhand dieses Preises bewertet. Ihr Mandat ist es, den Index möglichst genau nachzubilden. Wenn der Index 10 % im Jahr macht und der ETF 10,1 %, ist das eine Outperformance. Die Bewertung dieser Performance basiert auf dem Settlement Price.
Was machen diese Anbieter also am Settlement? Sie handeln. Sie müssen handeln, um ihre Bewertung mit dem Index in Einklang zu bringen. Das erzeugt Volumen und Aktivität genau an diesem Preislevel. ETFs sind mittlerweile ein riesiger Teil des Marktes. Allein BlackRock verwaltet Billionen von Dollar in Indexfonds. Diese Marktteilnehmer sind definitiv größer als du und ich, und ihr Referenzpunkt ist der Settlement Price.
Deshalb ist der Settlement Price auch für uns als Daytrader relevant. Nicht weil er uns die Richtung vorgibt (tut er nicht, denn den ETF-Anbietern ist egal, ob der Markt steigt oder fällt), sondern weil er ein Level ist, an dem Reaktionen auftreten können. Wenn der Preis zum Settlement des Vortages zurückkehrt, beobachte ich, ob dort Orderflow-Signale auftreten. Wenn ja, kann das ein schnelles Scalping-Setup ergeben.
Settlement Price in der Praxis
Die Anwendung ist denkbar einfach: Du gehst auf die CME-Website, suchst den Settlement Price des Front-Month-Kontrakts und zeichnest ihn im Chart ein. Ab dem Zeitpunkt der Festlegung (22:00 Uhr MEZ) gilt er für den Folgetag. Im NQ sehe ich regelmäßig, dass der Preis am Folgetag zu diesem Level zurückkehrt und dort zumindest kurz reagiert.
Wichtig ist: Der Settlement Price ist kein Analyse-Tool im klassischen Sinne. Er gibt dir keine Richtung vor, weil die Marktteilnehmer, die ihn nutzen (ETFs, Indexfonds), nicht direktional handeln. Sie versuchen nicht, Long oder Short zu sein. Sie versuchen, ihre Bewertung in Einklang zu bringen. Deshalb ist der Settlement Price ein reines Level: Wenn wir dort ankommen, kann etwas passieren. Wenn wir durchschießen, wissen wir, dass die ETF-Jungs an diesem Level nicht interessiert sind, was ebenfalls eine Information ist.
In Kombination mit Orderflow-Signalen wie Big Trades oder Absorptionen kann der Settlement Price zu einem sauberen Scalping-Level werden. Allein reicht er nicht aus, aber als zusätzliches Level im Toolkit ist er goldwert, besonders in Phasen, in denen keine anderen klaren Levels vorhanden sind.
Für eine tiefere Analyse und praktische Anwendung empfehlen wir unseren Artikel über den Settlement Price im Trading.
Häufige Fehler beim Settlement Price
Den Settlement Price als Richtungsindikator nutzen: Der Settlement Price sagt nicht aus, ob der Markt steigen oder fallen wird. Er zeigt lediglich das Bewertungsniveau. Wer daraus eine Bias ableitet, macht einen logischen Fehler.
Das Level nur für die US-Session nutzen: Der Settlement Price kann auch in der europäischen Session relevant sein, besonders wenn der Preis vorbörslich in der Nähe dieses Levels handelt. Die ETF-Anbieter arbeiten global, nicht nur während der US-Handelszeiten.
Ohne Orderflow-Bestätigung handeln: Der Settlement Price allein ist kein Einstiegssignal. Erst wenn Orderflow-Events (z. B. Rejection, Absorption, Exhaustion) am Settlement Level auftreten, ergibt sich ein handelbarer Moment.
FAQ
Wo finde ich den Settlement Price?
Den Settlement Price findest du auf der CME-Group-Website unter dem jeweiligen Futures-Kontrakt. Navigiere auf cmegroup.com zu Markets, wähle den Kontrakt (z. B. E-mini Nasdaq-100) und suche den Settlement-Wert des Front-Month-Kontrakts. Der Preis wird täglich aktualisiert und steht ab ca. 22:00 Uhr MEZ zur Verfügung.
Wie unterscheidet sich der Settlement Price vom Schlusskurs?
Der Schlusskurs ist der letzte gehandelte Preis vor Handelsschluss. Der Settlement Price ist ein berechneter VWAP der letzten 30 Sekunden Handelsaktivität. Beide können leicht voneinander abweichen. Der Settlement Price ist der offizielle Referenzpreis für die Mark-to-Market-Bewertung und damit für die Margin-Berechnung maßgeblich.
Funktioniert der Settlement Price bei allen Futures gleich?
Das Grundprinzip ist gleich: Jeder Futures-Kontrakt hat einen täglichen Settlement Price. Die Berechnungsmethode und die Relevanz für Daytrader können sich aber je nach Produkt unterscheiden. Für Index-Futures wie NQ und ES ist der Settlement Price besonders aussagekräftig, weil die ETF- und Indexing-Industrie massiv groß ist. Bei Rohstoff-Futures spielen andere Faktoren (z. B. physische Lieferung) eine größere Rolle.