Was ist ein Contract Roll?
Ein Contract Roll (auch Rollover) ist der Wechsel von einem auslaufenden Futures-Kontrakt in den nächstfolgenden aktiven Kontrakt. Da Futures ein festes Verfallsdatum haben, müssen Trader, die ihre Position über den Verfall hinaus halten möchten, rechtzeitig in den neuen Kontrakt wechseln.
Der Rollvorgang ist ein alltäglicher Bestandteil des Futures-Handels und betrifft jeden aktiven Trader — vom Daytrader bis zum institutionellen Hedger.
Verfallszyklen bei Futures
Die meisten Index-Futures (ES, NQ, YM, RTY) verfallen vierteljährlich in den sogenannten Quartalsmonaten:
| Monat | Code | Verfall |
|---|---|---|
| März | H | 3. Freitag im März |
| Juni | M | 3. Freitag im Juni |
| September | U | 3. Freitag im September |
| Dezember | Z | 3. Freitag im Dezember |
Ein ES-Kontrakt für März 2026 wird beispielsweise als ESH26 bezeichnet.
Rohstoff-Futures wie Crude Oil (CL) haben dagegen monatliche Verfallstermine mit eigenen Kontraktcodes.
Wann sollte man rollen?
Der optimale Rollzeitpunkt richtet sich nach dem Volumen und Open Interest:
Roll Date vs. Expiration Date
- Roll Date: Der Tag, an dem das Volumen vom alten auf den neuen Kontrakt übergeht (in der Regel 5–8 Handelstage vor Verfall)
- Expiration Date: Der letzte Handelstag des auslaufenden Kontrakts
Die meisten Trader rollen am oder kurz nach dem offiziellen Roll Date, wenn der neue Front Month das höhere Volumen aufweist. Spätestens am Verfallstag muss gerollt sein.
Praxisbeispiel
Der ES-Kontrakt für März (ESH) läuft am dritten Freitag im März aus. Typischerweise beginnt das Volumen etwa am zweiten Donnerstag im März auf den Juni-Kontrakt (ESM) überzugehen. Ab diesem Zeitpunkt sollten Trader den neuen Kontrakt handeln.
Wie funktioniert der Roll?
Der Roll ist technisch gesehen die Kombination aus zwei Transaktionen:
- Schließen der Position im auslaufenden Kontrakt
- Eröffnen einer neuen Position im Folgekontrakt
Dies kann manuell oder über spezielle Calendar Spread Orders erfolgen, die beide Transaktionen als eine einzige Order ausführen und so das Slippage-Risiko minimieren.
Roll Gap und Preisunterschiede
Der neue Kontrakt handelt in der Regel nicht zum selben Preis wie der alte. Die Differenz wird als Roll Gap oder Fair Value Spread bezeichnet und entsteht durch:
- Zinskosten (Cost of Carry)
- Erwartete Dividenden (bei Index-Futures)
- Angebots- und Nachfrageverhältnisse
Bei Index-Futures handelt der nächste Kontrakt typischerweise leicht über dem aktuellen (Contango), da die Zinskosten eingepreist sind.
Auswirkung auf Charts
Der Roll Gap kann auf kontinuierlichen Charts zu Kurssprüngen führen. Professionelle Charting-Software bietet daher adjustierte Continuous Contracts an, die diese Lücken rechnerisch ausgleichen.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich als Daytrader auch rollen?
Ja, aber der Zeitpunkt ist weniger kritisch. Als Daytrader hältst du keine Positionen über Nacht. Du musst lediglich sicherstellen, dass du den Kontrakt mit dem höchsten Volumen handelst — das ist nach dem Roll Date der neue Front Month.
Was passiert, wenn ich den Roll verpasse?
Wenn du am Verfallstag noch eine Position im auslaufenden Kontrakt hältst, wird diese vom Broker automatisch geschlossen oder bar abgerechnet (Cash Settlement bei Index-Futures). Bei physisch lieferbaren Rohstoffen kann die Nichterfüllung zu erheblichen Problemen führen.
Entstehen beim Rollen Kosten?
Der Roll selbst verursacht Handelskosten in Form von Kommissionen (für das Schließen und Neueröffnen) und dem Bid-Ask-Spread. Bei Calendar Spread Orders sind diese Kosten in der Regel minimal.
Wie erkenne ich das Roll Date?
Börsen wie die CME veröffentlichen offizielle Roll Dates. Alternativ kannst du das Volumen der beiden Kontrakte vergleichen — wenn das Volumen im neuen Kontrakt das des alten übersteigt, ist es Zeit zu rollen.