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Daytrading lernen: Womit du anfängst und wie realistisch es ist

Marco BösingVon Marco BösingEx-Institutional-Trader | Gründer traMADA9 Min. Lesezeit

Daytrading lernen: Womit du anfängst und wie realistisch es ist

Daytrading lernen kannst du, aber es kostet dich Zeit und Geld, und eine Abkürzung gibt es nicht. Du lernst zuerst, wie der Markt mechanisch funktioniert und wie du dein Risiko begrenzt, und du fängst mit einem Micro-Future auf den S&P 500 an. Rechne mit mindestens ein bis zwei Jahren ernsthafter Arbeit und, wenn du mit eigenem Geld tradest, mit 3.000 bis 5.000 Dollar, die du verlieren kannst.

Ich habe 2010 als Junior Trader bei einer privaten Forex-Vermögensverwaltung in Bonn angefangen. Dort hatte ich etwas, das dir zu Hause fehlt: Jemand anders hat die Regeln gemacht.

Risikohinweis: Trading mit Futures und anderen Finanzinstrumenten birgt erhebliche Verlustrisiken. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für zukünftige Performance. Setze nur Kapital ein, dessen Verlust du verkraften kannst.

Was Daytrading ist und wie es funktioniert

Beim Daytrading eröffnest und schließt du alle Positionen am selben Tag und gehst ohne offene Position in die Nacht. Geld verdienst du, wenn du zu einem besseren Preis rauskommst, als du reingegangen bist. Das geht in beide Richtungen, weil du auch short gehen kannst.

Bei jedem Trade gibt es einen Käufer und einen Verkäufer. Der Preis steigt also nicht, weil mehr Leute kaufen wollen. Er steigt, wenn Käufer mit Market Orders alles wegkaufen, was zum aktuellen Preis angeboten wird, und zum nächsten Preis weitermüssen. Beim Fallen läuft es andersherum.

Dein Tag hat drei Teile: die Vorbereitung, die Zeit im Markt und die Auswertung danach. Die US-Börse läuft von 9:30 bis 16:00 Uhr New Yorker Zeit. Bei uns ist das 15:30 bis 22:00 Uhr, und in den Wochen, in denen die USA und Europa die Uhren nicht gleichzeitig umstellen, eine Stunde früher.

Was du in welcher Reihenfolge lernst

Fang mit der Mechanik und dem Risiko an und lass gezeichnete Linien und Indikatoren erst mal weg.

Als Junior Trader auf einem FX-Desk war meine Aufgabe oft gar nicht, die Richtung zu entscheiden. Ich musste saubere Durchschnittspreise einsammeln, und mein Auftrag hat mir gesagt, was zu tun ist, in welche Richtung und mit wie viel Risiko. Die Strukturen, die das Risiko klein hielten, kamen von der Firma. Zu Hause gibt es diese Firma nicht. Die Regeln schreibst du dir selbst, und niemand prüft, ob du dich daran hältst.

Deshalb würde ich in dieser Reihenfolge vorgehen:

  1. Die Mechanik. Was ein Tick und ein Punkt wert sind, wie viel Geld du mit einem Kontrakt bewegst, was Bid und Ask sind und was Market, Limit und Stop Orders tun. Vor jedem Trade musst du in Dollar sagen können, was dich dein Stop kostet.
  2. Das Risiko. Wie groß deine Position ist, was ein Trade kosten darf und ab welchem Tagesverlust du aufhörst. Das steht fest, bevor du den ersten Trade machst. Wie du das rechnest, steht in meinem Artikel zum Risikomanagement.
  3. Ein Markt. Such dir einen Kontrakt und eine feste Tageszeit aus und bleib dabei, bis du weißt, wie er sich bewegt. Dazu gehört der Wirtschaftskalender. In meiner Zeit als institutioneller Trader war er die erste Aufgabe am Morgen, noch vor dem Blick auf die Charts.
  4. Die Daten und was dahintersteht. Wer große Positionen handelt, tut das wegen der Bewertung, also wegen Zinsen, Inflationserwartungen und Nachrichten. Das entscheidet die Richtung, der Chart sagt dir nur, wie du reinkommst. Schaust du allein auf den Chart, bekommst du den ganzen Tag Long- und Short-Signale und weißt nicht, welches gilt. Für mich ist das Psychoterror. Auf dem Desk hatten wir genau zwei Werkzeuge, das Orderbuch und das Tape, und keine gleitenden Durchschnitte. Wie eine Institution wirst du nie traden, aber du kannst verstehen, was die Großen wegen ihrer Größe tun müssen, und dich dranhängen. Das bleibt immer eine Wahrscheinlichkeit. Wie du das heute angehst, steht unter Orderflow Trading lernen.
  5. Erst Simulator, dann kleines Geld. Im Simulator lernst du einige Wochen lang die Plattform und die Orderausführung. Was ein echter Verlust mit dir macht, lernst du dort nicht. Deshalb gehst du danach mit einem einzigen Micro-Kontrakt live.
  6. Das Journal, ab dem ersten Trade. Auf dem Desk hat kein Trader den Handelsraum verlassen, ohne seine Trades dokumentiert zu haben. Zu Hause führst du dein Journal selbst.

Dein erster Kontrakt ist der MES

Fang mit dem Micro E-mini S&P 500 an, kurz MES. Das ist ein Future auf den S&P 500 mit einem Zehntel der Größe des normalen Kontrakts.

KontraktEin PunktEin Tick
MES5 Dollar1,25 Dollar
MNQ2 Dollar0,50 Dollar
ES50 Dollar12,50 Dollar

Bei einem Stand von 7.400 Punkten im S&P 500 bewegst du mit einem MES 37.000 Dollar, mit dem großen ES 370.000 Dollar. Deshalb lernst du auf dem kleinen.

Futures laufen über eine Börse. Du siehst dort echtes Volumen und ein echtes Orderbuch, und genau das brauchst du, um zu lernen, wer handelt. CFD-Kurse stellt dir dein Anbieter außerhalb der Börse, das Volumen des Marktes siehst du dort nicht. Den ganzen Vergleich findest du unter Futures vs. CFD.

Einen Punkt musst du bei Futures prüfen. Bei CFDs ist dein Verlust als Privatkunde in der EU auf das Geld im Konto begrenzt. Bei Futures hängt das von deinem Broker und deinem Vertrag ab. Bei einem Konto nach US-Regeln haftest du selbst für ein Minus.

Wir selbst traden hauptsächlich den NQ. Zum Start würde ich trotzdem den MES nehmen, weil sich der S&P langsamer bewegt und du mehr Zeit zum Reagieren hast. Die Unterschiede stehen unter S&P 500 vs. Nasdaq. Micro-Futures haben ein eigenes, dünneres Orderbuch, deshalb schauen viele beim Lesen auf die Daten des großen ES und traden den MES.

Was es dich an Zeit und Geld kostet

Rechne mit mindestens ein bis zwei Jahren ernsthafter Arbeit, bevor du konstant Geld verdienst, falls es überhaupt klappt. Die Eröffnung um 15:30 Uhr liegt mitten in deinem Arbeitstag. Neben einem Vollzeitjob siehst du meistens nur den späteren Teil der Session bis 22:00 Uhr. Das geht, aber die ersten Stunden fehlen dir dann.

Für den Start mit eigenem Geld auf Micro-Futures rechne ich mit 3.000 bis 5.000 Dollar. Technisch geht weniger. NinjaTrader verlangt keine Mindesteinlage und für einen MES intraday nur 50 Dollar Margin, über Nacht rund 2.900 Dollar. Margin ist aber nur die Sicherheit für eine Position. Wie viel du verlieren darfst, sagt sie dir nicht. Bei 5.000 Dollar und 0,5 Prozent Risiko darf ein Trade 25 Dollar kosten, das sind beim MES ohne Gebühren und Slippage 20 Ticks. Bei 1.000 Dollar wären es 5 Dollar und 4 Ticks, und damit kannst du nicht arbeiten.

Dazu kommen die laufenden Kosten. NinjaTrader nehme ich hier nur als Beispiel, einen Überblick findest du im Broker-Vergleich.

PostenPreis
NinjaTrader-Konto, Free-Plan0 Dollar im Monat
Kommission pro Micro-Kontrakt und Seite0,39 Dollar, dazu Börsen- und Clearinggebühren
CME-Daten Level 1, Paket aus vier Börsen12 Dollar im Monat, bei finanziertem Konto gratis
CME-Daten Level 2 (volle Markttiefe), Paket aus vier Börsen48 Dollar im Monat
ATAS PRO69,95 EUR im Monat, bei Jahreszahlung 39,95
TradingView Basic0 Dollar

Das sind die Preise von November 2026, bei ATAS ohne Mehrwertsteuer. Zusammen kommst du auf grob 50 bis 130 Euro im Monat, je nachdem, wie du zahlst und ob du Level 2 nimmst. TradingView reicht für die Vorbereitung, für Footprints und Volumen würde ich mit ATAS PRO anfangen.

Jetzt kommt die unangenehme Rechnung. Selbst 5 Prozent Gewinn im Monat wären auf 5.000 Dollar nur 250 Dollar, und das wäre schon sehr viel. Nach Software und Daten bleibt davon wenig. Davon lebst du nicht.

Eine Prop-Firm-Challenge kann auch beim Anfangen ein guter Weg sein. Dein Einsatz ist die Gebühr, die kennst du vorher, und die Regeln zwingen dich zu Disziplin. Fällst du durch, kostet der nächste Versuch wieder die Gebühr. Das funktioniert nur, wenn du vorher gelernt hast, und es ersetzt das Lernen nicht. Die Rechnung dazu steht unter Prop Trading oder eigenes Kapital.

Was dir verkauft wird und wie die Arbeit wirklich aussieht

Verkauft werden dir Signale, gezeichnete Linien und das Versprechen, dass es schnell geht. Die Indikatoren dazu rechnen nur alte Kurse um. Mein Test dafür geht so. Wenn eine Linie vom Schreibtisch zu Hause wirklich funktionieren würde, müsste keine Bank Trader bezahlen, um ihre Orders abzuarbeiten.

Social Media macht daraus eine Erwartung, die mit dem Beruf nichts zu tun hat. Trading lernst du wie jeden anderen Beruf, von unten nach oben. Am Anfang geht es um kleine Gewinne, die du wiederholen kannst.

Die Arbeit selbst ist unspektakulär. Du bereitest den Tag vor, wartest und wertest am Ende aus, was du gemacht hast. Wer auf jedes Signal schießt, hat für mich ein Problem. Das erste Signal sieht jeder, und es scheitert oft. Wenn du auf eine zweite Bestätigung wartest, machst du viel weniger Trades und wirst viel seltener sinnlos ausgestoppt. Wie du auf Verluste reagierst, entscheidet mehr als die Größe deines Kontos.

Meine Empfehlung

Entscheide zuerst, ob du ein bis zwei Jahre übrig hast und das Geld, das du verlieren kannst. Das sind 3.000 bis 5.000 Dollar auf dem eigenen Konto oder die Gebühr für eine Challenge. Wenn nicht, lass es. Wenn ja, behalte deinen Job, lern die Mechanik und das Risiko und trade einige Wochen im Simulator. Geh dann mit einem einzigen MES live oder in die Challenge, mit einem Journal ab dem ersten Trade.

Wenn du dabei jemanden neben dir haben willst, zeigen wir dir im Mentoring, wie du den Markt liest.

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