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GlossarOrderflow Analyse

Volumenprofil

Das Volumenprofil ist ein Analyse-Tool, das die Verteilung des gehandelten Volumens über verschiedene Preislevel innerhalb eines definierten Zeitraums als horizontales Histogramm darstellt.

Marco BösingVon Marco Bösing5 Min. Lesezeit

Was ist das Volumenprofil?

Das Volumenprofil (Volume Profile) zeigt das gehandelte Volumen nicht als vertikales Histogramm unter dem Chart, sondern horizontal auf der Preisachse. Dadurch wird sichtbar, auf welchen Preislevels besonders viel oder wenig gehandelt wurde. Es beantwortet die Frage: Wo genau wurde in einem bestimmten Zeitraum wie viel Volumen umgesetzt?

Aus meiner institutionellen Erfahrung weiß ich, dass es beim Volumenprofil nicht um Indikatoren geht, sondern um Durchschnittspreise. Wenn ich als institutioneller Trader kaufen musste, wurde ich daran bewertet, welchen Durchschnittspreis ich erzielt habe. Das Volumenprofil zeigt mir genau, wo die Masse des Volumens gehandelt wurde und damit, wo der Durchschnittspreis der meisten Marktteilnehmer liegt. Das ist der eigentliche Kern dieses Tools.

Aus dem Volumenprofil ergeben sich zentrale Referenzpunkte wie der Point of Control (POC), die Value Area mit VAH und VAL sowie High Volume Nodes (HVN) und Low Volume Nodes (LVN). Diese Niveaus dienen institutionellen Tradern als Orientierung für Einstiege, Stopps und Kursziele. Das Volumenprofil ist ein Kernbestandteil der Auction Market Theory und zeigt, wo der Markt Wert akzeptiert und wo er Wert ablehnt.

Wie funktioniert das Volumenprofil?

Das Volumenprofil wird berechnet, indem für jeden Preistick innerhalb eines definierten Zeitraums das gehandelte Volumen erfasst und als horizontaler Balken dargestellt wird. Je breiter der Balken, desto mehr Volumen wurde auf diesem Preislevel umgesetzt.

Der Point of Control (POC) ist das Preislevel mit dem meisten gehandelten Volumen. Er markiert den Preis, bei dem der Markt den meisten Umsatz generiert hat und damit den "fairen Wert" dieses Zeitraums. Die Value Area umfasst die Preiszone, in der 70 % des gesamten Volumens gehandelt wurde. Die Value Area High (VAH) und Value Area Low (VAL) bilden die obere und untere Grenze dieser Zone. Preise außerhalb der Value Area liegen in den restlichen 15 % oben und unten, dort ist statistisch weniger Umsatz vorhanden.

Daneben gibt es High Volume Nodes (HVN) und Low Volume Nodes (LVN). HVN sind Preiszonen mit hoher Akzeptanz, in denen viel gehandelt wurde. LVN sind Preiszonen mit geringem Volumen, die der Markt schnell durchlaufen hat. LVN wirken häufig als Barrieren, weil dort wenig Interesse besteht, während HVN oft als Magneten funktionieren, zu denen der Preis zurückkehrt.

Volumenprofil in der Praxis

Stell dir vor, du musst als institutioneller Käufer an einem Tag eine große Position aufbauen. Der Preis bewegt sich in einer Range. Das Volumenprofil zeigt dir, dass die Masse des Volumens bei 18.500 Punkten gehandelt wurde. Wenn du deinen Durchschnittspreis im unteren Drittel der Value Area bekommst, hast du gut gesammelt. Bist du im oberen Drittel, hast du zu teuer eingekauft.

Diese institutionelle Denkweise erklärt auch, warum das Volumenprofil so gut funktioniert. Es geht nicht darum, ob der Preis an der VAL "abprallt", sondern darum, dass an der unteren Grenze der Value Area institutionelle Käufer statistisch gute Preise bekommen und deshalb dort aktiv werden. An der VAH gilt das Umgekehrte für Verkäufer. Das Volumenprofil bildet also die Logik der großen Marktteilnehmer ab.

Zusätzlich gibt es das Delta Volume Profile, das nicht das aggregierte Volumen zeigt, sondern die Aufteilung zwischen Bid und Ask. Damit sehe ich auf jedem Preislevel, welche Seite stärker war. Besonders in Bewegungen ist das Delta-Profil hilfreich, um zu erkennen, ob die aggressive Seite den Preis wirklich getrieben hat oder ob Absorptionen stattgefunden haben.

Häufige Fehler beim Volumenprofil

Nur auf die Zahlen schauen: Viele Trader merken sich, dass die Value Area 70 % des Volumens enthält, und handeln mechanisch an VAH und VAL. Dabei geht der eigentliche Kontext verloren. Es kommt immer auf den Durchschnittspreis und die Position innerhalb des Profils an.

Das Volumenprofil isoliert betrachten: Das Volumenprofil zeigt statische Vergangenheitsdaten. Ohne Orderflow-Bestätigung in Echtzeit weißt du nicht, ob an einem Volumenlevel tatsächlich noch Interesse besteht.

Den POC als Unterstützung oder Widerstand handeln: Der POC markiert den fairen Wert, nicht eine Barriere. Der Preis tendiert dazu, zum POC zurückzukehren, wenn er davon abweicht. Das ist ein Unterschied zu einem Level, das den Preis aufhält.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Volumenprofil und normalem Volumen?

Normales Volumen wird als vertikales Histogramm unter dem Chart angezeigt und ist zeitbasiert. Es zeigt dir, wie viel in einer Kerze gehandelt wurde, aber nicht auf welchem Preislevel. Das Volumenprofil dreht diese Achse und zeigt dir das Volumen preisbasiert. Du siehst genau, auf welchem Preislevel wie viel umgesetzt wurde.

Welchen Zeitraum sollte ich für das Volumenprofil wählen?

Das hängt von deinem Trading-Stil ab. Für Intraday-Trading nutze ich das Daily Profile, das mir den fairen Wert des aktuellen Tages zeigt. Für die übergeordnete Analyse betrachte ich Weekly und Monthly Profiles. Je größer der Zeitraum, desto relevanter sind die Levels für größere Marktteilnehmer.

Funktioniert das Volumenprofil bei allen Märkten?

Am besten funktioniert es bei Futures wie dem NQ oder ES, weil dort alle Orders an einer zentralen Börse zusammenlaufen und das Volumen vollständig ist. Bei Forex oder CFDs sind die Volumendaten unvollständig, weil es kein zentrales Orderbuch gibt. Das Volumenprofil ist dann weniger aussagekräftig.

Lies den vollständigen Artikel: Volumenprofil im Trading

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