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GlossarVolatilität

VIX

Der VIX (CBOE Volatility Index) misst die vom Optionsmarkt erwartete Schwankungsbreite des S&P 500 für die nächsten 30 Tage und gilt als wichtigster Angstindikator der Finanzmärkte.

Marco BösingVon Marco Bösing5 Min. Lesezeit

Was ist der VIX?

Der VIX (CBOE Volatility Index) ist ein von der Chicago Board Options Exchange (CBOE) berechneter Index, der die vom Markt erwartete Volatilität des S&P 500 für die kommenden 30 Tage abbildet. Er wird aus den Preisen von S&P-500-Optionen abgeleitet und in annualisierten Prozentpunkten angegeben.

Ein VIX-Wert von 20 bedeutet beispielsweise, dass der Markt eine jährliche Schwankungsbreite von etwa 20 % im S&P 500 einpreist. Um das auf tägliche Schwankungen umzurechnen, teilt man den VIX durch die Wurzel aus 252 (Handelstage pro Jahr). Bei einem VIX von 20 ergibt das eine erwartete Tagesschwankung von ca. 1,26 % im S&P 500. Da der VIX typischerweise steigt, wenn die Aktienmärkte fallen, wird er häufig als "Fear Gauge" (Angstbarometer) bezeichnet.

Ich nutze den VIX als allerersten Filter, bevor ich überhaupt an konkrete Trades denke. Er sagt mir nicht, in welche Richtung der Markt geht, aber er sagt mir, mit welcher Intensität er sich bewegen wird. Und das beeinflusst alles: meine Positionsgröße, meine Stop-Abstände und die Art der Setups, die ich suche.

Wie funktioniert der VIX?

Die Berechnung des VIX basiert auf den Preisen von Out-of-the-Money-Optionen auf den S&P 500 mit Laufzeiten von ungefähr 30 Tagen. Je teurer diese Optionen sind, desto höher der VIX. Wenn Marktteilnehmer mehr für Absicherung zahlen, drückt sich das in steigenden Optionspreisen und damit in einem höheren VIX aus.

Ein wichtiger Punkt, den viele übersehen: Der VIX misst die implizite Volatilität, nicht die realisierte. Das heißt, er zeigt, was der Markt erwartet, nicht was tatsächlich passiert. Es gibt regelmäßig Phasen, in denen der VIX hoch steht, die tatsächliche Volatilität aber moderat bleibt, oder umgekehrt. Diese Diskrepanz zwischen impliziter und realisierter Volatilität ist selbst ein handelbares Phänomen.

Der VIX hat einige charakteristische Eigenschaften, die für Trader relevant sind. Er ist mean-reverting, das heißt, er kehrt langfristig immer zu seinem Durchschnitt zurück (historisch liegt dieser bei etwa 19-20). Außerdem bewegt er sich asymmetrisch: Er steigt schneller als er fällt. Ein VIX-Spike von 15 auf 35 kann an einem Tag passieren, der Rückgang von 35 auf 15 dauert oft Wochen oder Monate.

Zusätzlich zum Standard-VIX gibt es den VVIX (die Volatilität des VIX), den VIX9D (9-Tage-Erwartung) und den VIX3M (3-Monats-Erwartung). Das Verhältnis von VIX zu VIX3M, die sogenannte VIX Term Structure, liefert zusätzliche Informationen. Wenn der kurzfristige VIX über dem langfristigen liegt (Backwardation), signalisiert das akute Angst im Markt.

Der VIX in der Praxis

Für mein tägliches NQ-Trading nutze ich den VIX als Regime-Filter mit folgenden Schwellenwerten:

VIX unter 15: Niedrige Volatilität. Der Markt ist in einer Komfortzone. Intraday-Ranges im NQ sind klein (unter 200 Punkte). Ich kann mit etwas engeren Stops arbeiten und etwas größere Positionen eingehen. Trendfolge-Setups funktionieren besonders gut, aber die absoluten Moves sind begrenzt.

VIX 15-20: Normales Umfeld. Das ist die Zone, in der die meisten Strategien am besten funktionieren. Genug Bewegung für attraktive Risk-Reward-Verhältnisse, aber noch kontrollierbare Schwankungen.

VIX 20-30: Erhöhte Volatilität. Hier beginne ich, Positionsgrößen zu reduzieren und Stops zu erweitern. News-Events haben stärkere Auswirkungen, und der Markt kann innerhalb einer Session die komplette Richtung wechseln.

VIX über 30: Krisenmodus. Extreme Tagesranges, Gaps, unerwartete Reversals. Ich reduziere die Positionsgröße auf das Minimum und handle nur die klarsten Setups. Kapitalerhalt hat absolute Priorität.

Ein konkretes Beispiel: Im März 2020 stieg der VIX auf über 80. Der NQ bewegte sich an manchen Tagen über 1.500 Punkte. Wer dort mit normaler Size gehandelt hat, konnte sein Konto an einem Tag verlieren. Wer dagegen seine Position auf ein Viertel reduziert und die Stops auf 100+ Punkte erweitert hat, konnte in dieser Phase enorme Gewinne erzielen, weil die Moves so groß waren.

Häufige Fehler beim VIX

Den VIX als Richtungsindikator nutzen. Ein hoher VIX bedeutet nicht, dass der Markt fallen wird. Er bedeutet, dass der Markt sich stark bewegen wird. In beiden Richtungen. Es gibt genug Phasen mit hohem VIX und steigenden Märkten, besonders in der Erholungsphase nach einem Crash.

VIX-Absolutwerte ohne Kontext betrachten. Ein VIX von 22 nach einem Monat bei 12 ist etwas völlig anderes als ein VIX von 22 nach einem Monat bei 35. Im ersten Fall steigt die Angst, im zweiten Fall beruhigt sich der Markt. Die Richtung und Geschwindigkeit der VIX-Veränderung ist oft wichtiger als das absolute Level.

Den VIX isoliert betrachten. Der VIX misst die Erwartung für den S&P 500, nicht für den NQ. Da der Nasdaq stärker auf Technologiewerte konzentriert ist, kann es Tage geben, an denen der VIX moderat bleibt, aber der NQ trotzdem extreme Moves macht, zum Beispiel nach Tech-Earnings. Deshalb kombiniere ich den VIX immer mit der tatsächlichen Intraday-ATR des NQ.

FAQ

Kann man den VIX selbst handeln?

Direkt nicht, da der VIX ein berechneter Index ist. Aber es gibt VIX-Futures und VIX-ETPs wie den VXX. Diese Instrumente folgen allerdings nicht 1:1 dem Spot-VIX, da sie auf Futures-Kontrakten basieren und durch den Roll-Effekt (Contango) langfristig an Wert verlieren. Für Daytrader im NQ ist der VIX am nützlichsten als Analyse-Tool, nicht als Handelsinstrument.

Warum steigt der VIX, wenn Aktien fallen?

Das liegt an der Nachfrage nach Put-Optionen. Wenn Marktteilnehmer Angst vor fallenden Kursen haben, kaufen sie Puts zur Absicherung. Das treibt die Optionspreise und damit den VIX nach oben. Dieses Verhalten ist aber nicht symmetrisch: Bei steigenden Kursen sinkt der VIX, weil die Absicherungsnachfrage nachlässt. Deshalb hat der VIX eine natürliche negative Korrelation zu Aktienmärkten.

Wie zuverlässig ist der VIX als Sentiment-Indikator?

Der VIX ist als breiter Regime-Filter sehr zuverlässig. Er sagt dir, ob du in einem ruhigen oder nervösen Markt bist. Als Timing-Instrument ist er weniger geeignet. Extreme VIX-Werte (über 40) haben historisch oft gute Kaufgelegenheiten markiert, aber der VIX kann nach dem ersten Spike noch wochenlang hoch bleiben. Für Daytrading nutze ich ihn deshalb als Kontext-Information, nicht als direktes Entry-Signal.

Lies den vollständigen Artikel: VIX und Volatilität im Trading

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