Was ist das Risk-Reward-Ratio?
Das Risk-Reward-Ratio (RRR), im deutschen Sprachraum oft als Chancen-Risiko-Verhältnis (CRV) bezeichnet, drückt das Verhältnis zwischen dem potenziellen Risiko und dem potenziellen Ertrag eines Trades aus.
Die Formel lautet:
RRR = Potenzieller Verlust / Potenzieller Gewinn
Ein RRR von 1:3 bedeutet: Für jeden Euro, den der Trader riskiert, erwartet er einen Gewinn von drei Euro. Der Stop Loss liegt also dreimal näher am Einstieg als das Take-Profit-Ziel.
Warum ist das CRV so wichtig?
Das Risk-Reward-Ratio ist entscheidend, weil es zusammen mit der Trefferquote die Profitabilität eines Trading-Systems bestimmt:
Die Breakeven-Trefferquote
Für jedes CRV gibt es eine minimale Trefferquote, ab der das System profitabel wird:
| CRV | Benötigte Trefferquote |
|---|---|
| 1:1 | > 50 % |
| 1:2 | > 33 % |
| 1:3 | > 25 % |
| 1:5 | > 17 % |
Ein Trader mit einem CRV von 1:3 kann 75 % seiner Trades verlieren und trotzdem profitabel sein. Das CRV ist deshalb oft wichtiger als die Trefferquote.
Psychologische Entlastung
Ein hohes CRV entlastet psychologisch, weil einzelne Verluste weniger Gewicht haben. Der Trader weiß, dass ein einziger Gewinner mehrere Verlierer ausgleichen kann.
Häufige Fehler beim CRV
1. Unrealistische Ziele
Ein CRV von 1:10 auf dem Papier nützt nichts, wenn das Ziel selten erreicht wird. Das CRV muss realistisch sein — basierend auf der tatsächlichen Marktstruktur, nicht auf Wunschdenken.
2. CRV isoliert betrachten
Ein CRV von 1:5 ist wertlos, wenn die Trefferquote bei 10 % liegt. CRV und Trefferquote müssen gemeinsam betrachtet werden, um den Erwartungswert zu berechnen:
Erwartungswert = (Trefferquote × Durchschnittsgewinn) - ((1 - Trefferquote) × Durchschnittsverlust)
3. Nachträgliches CRV statt geplantem CRV
Viele Trader berechnen das CRV erst nach dem Trade. Entscheidend ist jedoch das geplante CRV vor dem Einstieg — es bestimmt, ob der Trade überhaupt eingegangen werden sollte.
4. Stops verschieben
Einen Stop zu verschieben verändert das CRV nachträglich. Wer seinen Stop erweitert, verschlechtert das Verhältnis und untergräbt die Grundlage seiner Handelsentscheidung.
Wie setzt man das CRV richtig ein?
Minimum-CRV als Filter
Viele professionelle Trader handeln nur Setups mit einem Mindest-CRV — typischerweise 1:2 oder 1:3. Trades, die dieses Kriterium nicht erfüllen, werden übersprungen.
CRV an der Marktstruktur ausrichten
Das Take-Profit-Ziel sollte an einer logischen Marktstruktur liegen — einem Widerstand, einer Unterstützung oder einem Volumenprofil-Level. Willkürliche Ziele führen zu unrealistischen CRVs.
CRV im Journal tracken
Im Trading Journal das geplante und das tatsächlich erreichte CRV vergleichen. Häufig zeigen sich Muster: Werden Gewinner zu früh geschlossen und das geplante CRV systematisch unterschritten?
Häufig gestellte Fragen
Welches CRV ist ideal?
Es gibt kein universelles „ideales" CRV. Es hängt von der Strategie und der Trefferquote ab. Die meisten professionellen Trader streben ein CRV von mindestens 1:2 an. Scalper arbeiten oft mit 1:1 bei hoher Trefferquote, Swing-Trader mit 1:3 oder höher.
Sollte ich Trades mit einem CRV unter 1:1 nehmen?
In den meisten Fällen nein. Ein CRV unter 1:1 bedeutet, dass der potenzielle Verlust größer ist als der potenzielle Gewinn. Um damit profitabel zu sein, bräuchte man eine extrem hohe Trefferquote — was auf Dauer schwer aufrechtzuerhalten ist.
Wie beeinflusst Slippage das CRV?
Slippage verschlechtert das effektive CRV, da der tatsächliche Einstiegs- oder Ausstiegspreis vom geplanten abweicht. Besonders bei engen Stops und in weniger liquiden Märkten kann Slippage das CRV signifikant beeinflussen. Trader sollten dies bei der Planung berücksichtigen.