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GlossarRisikomanagement

Position Sizing

Position Sizing ist die systematische Bestimmung der Positionsgröße — also wie viele Kontrakte, Lots oder Aktien pro Trade gehandelt werden — basierend auf dem definierten Risiko pro Trade und der Kontogröße.

Marco BösingVon Marco Bösing4 Min. Lesezeit

Was ist Position Sizing?

Position Sizing beschreibt den Prozess, wie viele Einheiten eines Finanzinstruments (Kontrakte, Lots, Aktien) pro Trade gehandelt werden. Es ist eines der wichtigsten Elemente des Risikomanagements und bestimmt direkt, wie viel Kapital bei einem einzelnen Trade auf dem Spiel steht.

Die Grundidee: Nicht der Markt bestimmt das Risiko — sondern der Trader über seine Positionsgröße. Zwei Trader können exakt denselben Trade nehmen und völlig unterschiedliche Ergebnisse erzielen, allein durch die gewählte Positionsgröße.

Die Grundformel

Die gängigste Methode der Positionsgrößenberechnung basiert auf dem Fixed Fractional-Ansatz:

Positionsgröße = (Kontostand × Risiko in %) / Stop-Loss-Distanz

Beispiel:

  • Kontostand: 50.000 €
  • Risiko pro Trade: 1 % = 500 €
  • Stop-Loss-Distanz: 10 Punkte
  • Punktwert: 10 € pro Punkt
  • Positionsgröße: 500 € / (10 × 10 €) = 5 Kontrakte

Gängige Position-Sizing-Methoden

Fixed Fractional (Fester Prozentsatz)

Ein fester Prozentsatz des Kontos wird pro Trade riskiert — im professionellen Umfeld oft nur 0,2 %, bei konservativeren Ansätzen bis zu 1 %. Die Positionsgröße passt sich automatisch an den aktuellen Kontostand an: Bei wachsendem Konto werden die Positionen größer, bei schrumpfendem Konto kleiner.

Vorteile:

  • Einfach zu berechnen
  • Schützt automatisch bei Verlusten (kleinere Positionen)
  • Skaliert mit dem Kontostand

Nachteile:

  • Erholung nach Drawdowns langsamer, da die Positionsgröße sinkt

Fixed Ratio

Entwickelt von Ryan Jones. Die Positionsgröße wird erst erhöht, wenn ein bestimmter Gewinn pro Kontrakt erzielt wurde. Der Parameter „Delta" definiert den benötigten Gewinn pro Einheit.

Vorteile:

  • Gleichmäßigere Skalierung
  • Weniger aggressiv zu Beginn

Nachteile:

  • Komplexer zu implementieren
  • Nicht so weit verbreitet

Kelly Criterion

Eine mathematisch optimale Formel zur Bestimmung der Positionsgröße, die den maximalen geometrischen Wachstumsrate des Kontos anstrebt:

Kelly % = W - ((1 - W) / RRR)

Wobei W die Trefferquote und RRR das Risk-Reward-Ratio ist.

Vorteile:

  • Mathematisch optimal für langfristiges Kontowachstum

Nachteile:

  • Volle Kelly-Position ist in der Praxis zu aggressiv (hohe Drawdowns)
  • Erfordert präzise Kenntnis von Trefferquote und RRR
  • Die meisten Trader verwenden Half-Kelly (50 % der errechneten Größe)

Warum Position Sizing über Erfolg und Scheitern entscheidet

Überleben vor Profit

Ein Trader, der 5 % pro Trade riskiert, kann nach 10 aufeinanderfolgenden Verlusten fast 40 % seines Kapitals verloren haben. Mit 1 % Risiko pro Trade wären es nur knapp 10 %. Position Sizing entscheidet darüber, ob ein Trader eine Verlustserie überlebt.

Asymmetrie der Recovery

Kleinere Drawdowns sind leichter aufzuholen:

  • 10 % Drawdown → 11 % Gewinn zur Erholung
  • 30 % Drawdown → 43 % Gewinn zur Erholung
  • 50 % Drawdown → 100 % Gewinn zur Erholung

Konservatives Position Sizing hält den Drawdown im beherrschbaren Bereich.

Emotionale Kontrolle

Zu große Positionen erzeugen emotionalen Stress, der zu Fehlentscheidungen führt — Stops verschieben, zu früh rausgehen, Panikverkäufe. Die richtige Positionsgröße erlaubt es, rational zu handeln, weil der potenzielle Verlust emotional tragbar ist.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel sollte ich pro Trade riskieren?

Im professionellen Futures-Daytrading sind 0,2 % pro Trade ein gängiger Richtwert. Dieser niedrige Wert sorgt dafür, dass selbst längere Verlustserien den Account nicht gefährden. Wer kurzfristiger und aggressiver handelt, kann das Risiko situativ anpassen — aber die Basis bleibt bewusst konservativ.

Sollte ich die Positionsgröße nach Gewinnen erhöhen?

Mit dem Fixed-Fractional-Ansatz passiert das automatisch: 1 % von 55.000 € ist mehr als 1 % von 50.000 €. Von einer willkürlichen Erhöhung des Risikoprozentsatzes nach Gewinnen ist abzuraten — das führt oft zu übermäßigem Risiko in einer Phase, die sich jederzeit umkehren kann.

Wie gehe ich mit korrelierten Positionen um?

Korrelierte Positionen addieren sich zum Gesamtrisiko. Wenn zwei stark korrelierte Trades gleichzeitig offen sind und jeweils 1 % riskiert wird, beträgt das effektive Risiko nahezu 2 %. Das Gesamtrisiko aller offenen Positionen sollte immer im Blick behalten werden.

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