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GlossarRisikomanagement

Take Profit

Ein Take Profit ist eine vordefinierte Order, die eine Position automatisch schließt, wenn der Kurs ein bestimmtes Gewinnniveau erreicht, um Profits systematisch zu realisieren.

Marco BösingVon Marco Bösing5 Min. Lesezeit

Was ist ein Take Profit?

Ein Take Profit (TP) ist eine automatische Order, die eine Position beim Erreichen eines vordefinierten Gewinnniveaus schließt. Er ist das Gegenstück zum Stop Loss und bildet zusammen mit diesem die Grundlage für das Risk-Reward-Ratio eines Trades.

Während der Stop Loss das Risiko begrenzt, sichert der Take Profit den Ertrag. Beide zusammen definieren den Trade-Rahmen: maximaler Verlust und angestrebter Gewinn stehen fest, bevor die Position eröffnet wird.

Warum ist ein Take Profit wichtig?

Disziplinierte Gewinnmitnahme

Ohne Take Profit greift häufig Gier: Der Trader will „noch mehr" herausholen, der Kurs dreht, und aus einem Gewinner wird ein Verlierer. Ein vordefinierter Take Profit erzwingt disziplinierte Gewinnmitnahme und verhindert, dass Emotionen die Ausstiegsentscheidung beeinflussen.

Risk-Reward-Ratio einhalten

Das geplante CRV ist nur dann aussagekräftig, wenn der Take Profit tatsächlich erreicht und genommen wird. Wer seinen Take Profit systematisch vor dem Ziel schließt, verschlechtert sein effektives CRV und macht eine eigentlich profitable Strategie unprofitabel.

Planbare Ergebnisse

Mit festem Stop Loss und Take Profit kennt der Trader die beiden möglichen Ergebnisse jedes Trades im Voraus. Das vereinfacht die Portfolioplanung und macht die Performance statistisch auswertbar.

Take-Profit-Strategien

Festes Ziel (Fixed Target)

Ein einzelnes Take-Profit-Level, das beim Einstieg definiert wird. Einfach, klar, disziplinierend. Wird typischerweise an einer technischen Marke gesetzt — etwa an einem Widerstand, einer Value Area High/Low oder einem Fibonacci-Extension-Level.

Gestaffelter Take Profit (Partial Profits)

Die Position wird in mehreren Tranchen geschlossen:

  • Erste Tranche: Beim Erreichen von 1R (Risiko ausgeglichen)
  • Zweite Tranche: Beim Erreichen des Hauptziels (z. B. 2R)
  • Restposition: Trailing Stop oder erweitertes Ziel

Vorteil: Reduziert das Risiko und sichert Teilgewinne. Nachteil: Verkleinert den durchschnittlichen Gewinn pro Trade.

Kein festes Ziel (Runner)

Die Position bleibt offen und wird ausschließlich über einen Trailing Stop verwaltet. Ermöglicht es, von starken Trends maximal zu profitieren. Erfordert jedoch hohe Disziplin und die Akzeptanz, dass viele Trades einen Teil des offenen Gewinns zurückgeben.

Wo setzt man den Take Profit?

Der Take Profit sollte sich an der Marktstruktur orientieren:

  • Widerstand/Unterstützung: Nächstes relevantes Level, an dem eine Gegenbewegung wahrscheinlich ist
  • Value Area Grenzen: VAH oder VAL als natürliche Reaktionspunkte
  • Swing-Punkte: Vorherige Hochs oder Tiefs als Orientierung
  • Fibonacci-Extensions: 1.272 oder 1.618 Extensions als Projektionsziele

Wichtig: Das Ziel muss realistisch sein. Ein Take Profit, der sich an einer Marktstruktur orientiert, die der Kurs selten erreicht, sieht auf dem Papier gut aus, wird aber in der Praxis kaum getroffen. Überprüfe in deinem Trading Journal, wie oft dein Take Profit tatsächlich erreicht wird. Wenn weniger als 30 % deiner Gewinnziele getroffen werden, sind deine Targets wahrscheinlich zu ambitioniert.

Häufige Fehler beim Take Profit

1. Gewinne zu früh mitnehmen

Der häufigste Fehler: Der Trade läuft 5 Ticks in den Gewinn, und der Trader schließt aus Angst, den Gewinn zu verlieren. Das geplante CRV von 1:3 wird dadurch auf 1:1 oder schlechter reduziert. Über viele Trades hinweg zerstört das die Profitabilität einer eigentlich funktionierenden Strategie.

2. Kein Take Profit setzen

Manche Trader handeln „nach Gefühl" und entscheiden den Ausstieg spontan. Das führt zu inkonsistenten Ergebnissen und macht es unmöglich, die Strategie statistisch auszuwerten. Ein vordefinierter Take Profit schafft Struktur und Wiederholbarkeit.

3. Ziel an unrealistischen Levels

Ein Take Profit, der auf der anderen Seite eines massiven Widerstands liegt, sieht auf dem Papier attraktiv aus, wird aber in der Praxis selten erreicht. Das Ziel muss an einem Level liegen, das der Kurs realistisch erreichen kann, bevor er auf Gegenverkäufe trifft.

Häufig gestellte Fragen

Sollte ich meinen Take Profit verschieben, wenn der Kurs in meine Richtung läuft?

Es kommt auf die Strategie an. Grundsätzlich gilt: Einen Take Profit zu erweitern kann sinnvoll sein, wenn sich die Marktstruktur verändert und ein neues, logisches Ziel entsteht. Ein Take Profit sollte jedoch nie aus Gier erweitert werden — das ist das Gegenextrem zum vorzeitigen Schließen.

Ist ein Take Profit bei Trendfolge-Strategien sinnvoll?

Bei Trendfolge-Strategien wird häufig kein fester Take Profit verwendet. Stattdessen kommt ein Trailing Stop zum Einsatz, der den Trend begleitet und erst bei einer signifikanten Gegenbewegung auslöst. Ein festes Ziel würde die Partizipation an starken Trends begrenzen.

Wie beeinflusst der Take Profit meine Trefferquote?

Ein engerer Take Profit wird häufiger erreicht (höhere Trefferquote), bringt aber weniger Gewinn pro Trade. Ein weiter entfernter Take Profit wird seltener erreicht (niedrigere Trefferquote), erzielt aber mehr Gewinn bei Erfolg. Die Balance zwischen Trefferquote und CRV bestimmt die Gesamtprofitabilität.

Was ist besser: ein festes Ziel oder gestaffelter Take Profit?

Das hängt von deiner Strategie ab. Ein festes Ziel ist einfacher zu handeln und auszuwerten. Du weißt genau, ob dein Setup funktioniert oder nicht. Ein gestaffelter Take Profit reduziert zwar das Risiko durch Teilgewinnmitnahmen, verwässert aber den durchschnittlichen Gewinn pro Trade. Für Trader, die ihre Strategie gerade erst entwickeln, ist ein festes Ziel oft die bessere Wahl, weil die Ergebnisse eindeutiger interpretierbar sind. Erfahrene Trader können mit gestaffelten Ausstiegen arbeiten, wenn ihre Daten zeigen, dass es die Performance verbessert.

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