Was ist der COT Report?
Der COT Report (Commitments of Traders) ist ein wöchentlicher Bericht der U.S. Commodity Futures Trading Commission (CFTC), der die aggregierten Positionen verschiedener Händlergruppen an den US-Futures-Märkten offenlegt. Der Bericht wird jeden Freitag veröffentlicht und enthält Daten vom Dienstag derselben Woche.
Die CFTC ist die Regulierungsbehörde, die die Futures-Märkte in den USA überwacht. Sie verpflichtet grosse Marktteilnehmer, ihre Positionen zu melden. Aus diesen Meldungen wird der COT Report zusammengestellt. Das Ergebnis ist ein einzigartiger Einblick in die Positionierung der verschiedenen Gruppen, der so nirgendwo sonst öffentlich verfügbar ist.
Für aktive Trader ist der COT Report ein wertvolles Werkzeug, um eine wöchentliche Richtung (Weekly Bias) zu bestimmen. Und das Beste daran: Die Daten sind kostenlos und für jeden zugänglich.
Wie funktioniert der COT Report?
Der COT Report schlüsselt die offenen Positionen (Open Interest) nach Händlergruppen auf. Die drei Hauptgruppen sind Commercials (Hedger), Non-Commercials (grosse Spekulanten) und Non-Reportables (Kleinspekulanten). Für die Trading-Analyse ist aber nur eine Gruppe wirklich relevant: die Non-Commercials.
Non-Commercials sind die grossen Spekulanten: Hedgefonds, CTAs (Commodity Trading Advisors) und institutionelle Trader. Diese Akteure investieren Millionen, um die richtige Marktrichtung zu finden. Wenn sie ihre Positionierung ändern, hat das einen Grund. Die Commercials hingegen hedgen lediglich ihr physisches Geschäft. Ihnen ist es egal, ob der Preis steigt oder fällt. Sie sichern sich einfach ab. Das macht ihre Positionierung für direktionale Trading-Signale unbrauchbar. Und die Non-Reportables (Kleinspekulanten) sind schlicht zu klein, um relevant zu sein.
Die entscheidende Frage beim COT Report lautet: Hat sich die Netto-Positionierung der Non-Commercials von Woche zu Woche erhöht oder verringert? Wenn grosse Spekulanten ihre Long-Positionen ausbauen, ist das ein bullishes Signal. Wenn sie ihre Short-Positionen ausbauen, ist das bearish. So einfach ist die Grundlogik.
Wichtig ist dabei: Der COT Report hat eine Verzögerung. Die Daten sind vom Dienstag, veröffentlicht am Freitag. Bis du die Daten liest, sind sie also schon einige Tage alt. Das bedeutet: Der COT Report eignet sich für mittelfristige Richtungseinschätzungen, nicht für präzises Intraday-Timing.
COT Report in der Praxis
Ein praktisches Beispiel: Im Disaggregated Report für den Euro-Dollar-Future (6E) sehe ich, dass die Dealer ihre Short-Positionen deutlich ausgebaut haben. Die Dealer-Logik ist invertiert: Wenn Dealer Short gehen, bedeutet das, dass die Gegenseite gekauft hat. Also signalisiert ein Dealer-Short-Aufbau steigende Preise.
Jetzt schaue ich, was tatsächlich passiert ist: Der Euro-Dollar ist in der folgenden Woche tatsächlich gestiegen. Nicht immer funktioniert das sofort. Manchmal fällt der Preis zunächst nochmal, um Liquidität zu sammeln, bevor er dann doch in die signalisierte Richtung geht. Aber über mehrere Wochen betrachtet, liefern die COT-Daten einen statistischen Vorteil.
Ein weiterer Aspekt: Extrempositionierungen. Wenn die Non-Commercials historisch gesehen noch nie so stark Long (oder Short) waren wie jetzt, ist das ein Warnsignal für eine mögliche Trendwende. Diese Extreme bauen sich über Wochen und Monate auf und sind deshalb besonders aussagekräftig.
Erfahrene Trader können die Positionierung der Dealer oft auch direkt aus dem Chartbild ableiten, ohne jede Woche die Rohdaten durchzuarbeiten. Aber gerade am Anfang lohnt sich die regelmässige Analyse der CFTC-Daten, um ein Gefühl für die Zusammenhänge zwischen Positionierung und Preisbewegung zu entwickeln.
Ich nutze den COT Report nicht jede Woche systematisch, aber wenn ich einen bestimmten Markt genauer unter die Lupe nehme, sind die CFTC-Daten ein fester Bestandteil meiner Analyse. Lies den vollständigen Artikel zum COT Report für eine detaillierte Anleitung.
Häufige Fehler beim COT Report
Den COT Report für Intraday-Trading nutzen. Die Daten sind verzögert und wöchentlich. Wer versucht, damit Scalping-Entscheidungen zu treffen, nutzt das Werkzeug falsch. Der COT Report liefert einen wöchentlichen Bias, kein Intraday-Signal.
Alle Händlergruppen gleich gewichten. Commercials und Non-Reportables liefern keine direktionalen Signale. Wer die Positionierung aller drei Gruppen gleichzeitig analysiert, verwässert die Information. Fokussiere dich auf die Non-Commercials (oder die Dealer im Disaggregated Report).
Einzelne Wochenwerte überinterpretieren. Ein einzelner COT-Datenpunkt ist eine Momentaufnahme. Die Stärke liegt in der Veränderung von Woche zu Woche und in der Betrachtung über mehrere Wochen hinweg. Erst wenn sich ein Trend in der Positionierung abzeichnet, wird das Signal aussagekräftig.
FAQ
Wo finde ich den COT Report?
Der COT Report ist kostenlos auf der Website der CFTC verfügbar (cftc.gov). Es gibt auch verschiedene Drittanbieter-Websites, die die Daten grafisch aufbereiten und damit leichter lesbar machen. Die offiziellen Rohdaten der CFTC sind allerdings die zuverlässigste Quelle.
Welcher COT Report ist der richtige für mich?
Es gibt den Legacy Report (einfachere Gruppierung), den Disaggregated Report (detailliertere Aufschlüsselung) und den Traders in Financial Futures (TFF) Report. Für Forex-Trader ist der Disaggregated Report am nützlichsten, weil er die Dealer-Positionen separat ausweist. Für Commodity-Trader funktioniert auch der Legacy Report gut.
Funktioniert der COT Report auch für Aktien-Futures?
Ja, der COT Report umfasst auch Index-Futures wie den E-mini S&P 500 oder den Nasdaq 100. Die Logik ist dieselbe: Du schaust dir die Netto-Positionierung der grossen Spekulanten an und leitest daraus einen wöchentlichen Bias ab. Bei Index-Futures ist allerdings die Arbitrage-Aktivität stärker, was die Signale etwas weniger sauber macht als bei Forex-Futures.