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USA-Iran Konflikt: Markt-Auswirkungen und Trading-Strategien

Marco BösingVon Marco Bösing8 Min. Lesezeit

USA-Iran Konflikt: Markt-Auswirkungen und Trading-Strategien

Der USA-Iran Konflikt hat die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt. Die Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran erzeugt unmittelbaren Druck auf den Ölpreis, treibt Inflationserwartungen nach oben und schafft gleichzeitig enorme Volatilität in den Futures-Märkten. Für Trader und Investoren ergeben sich daraus konkrete Handlungsmöglichkeiten, die ich in diesem Artikel durchgehe.

Risikohinweis: Trading mit Futures und anderen Finanzinstrumenten birgt erhebliche Verlustrisiken. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für zukünftige Performance. Setze nur Kapital ein, dessen Verlust du verkraften kannst.

Die geopolitische Ausgangslage

Die Situation ist klar: Wir haben eine offene militärische Eskalation zwischen Israel und den USA auf der einen Seite und dem Iran auf der anderen. Es werden Angriffe geflogen, es wird zurückgeschossen, und die Lage vor Ort ist katastrophal. Das ist kein isolierter Regionalkonflikt, auch wenn die Kampfhandlungen auf den Nahen Osten beschränkt sind.

Warum betrifft uns das als Trader? Weil diese Region das Herz der globalen Ölversorgung ist. Die Auswirkungen laufen über mehrere Kanäle: direkt über den Ölpreis, dann verzögert über Inflation, und parallel über diplomatische Verwerfungen, die das gesamte Risikosystem der Märkte neu kalibrieren. Wer News Trading ernst nimmt, muss diese Zusammenhänge verstehen, bevor er eine Position eingeht.

Mein Ansatz in solchen Situationen: nüchtern analysieren, die Transmissionskette durchdenken und dann handeln. Emotionen haben im Trading nichts verloren, auch wenn die Nachrichten emotional aufgeladen sind. Das unterscheidet sich nicht grundlegend von der Reaktion auf die Trump Zölle, nur dass der Transmissionskanal ein anderer ist.

Öl-Transmission: Drei Faktoren

Der Ölpreis ist die offensichtlichste Auswirkung des Iran-Konflikts. Ich schaue mir bei jedem geopolitischen Konflikt sofort Öl und alles, was damit zusammenhängt, an. Diesmal gibt es drei Faktoren, die alle gleichzeitig in dieselbe Richtung wirken.

Öl-Transmissionskette im Iran-Konflikt: Militärbedarf, Produktionsausfall und Straße von Hormuz

Faktor 1: Militärischer Bedarf. Krieg braucht Öl. Punkt. Das Militär verbraucht enorme Mengen, um Operationen aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig läuft der zivile Verbrauch weltweit normal weiter. Wir in Deutschland fahren weiter zur Arbeit, heizen unsere Wohnungen, konsumieren wie gewohnt. Der normale Bedarf bleibt also bestehen, aber obendrauf kommt der militärische Verbrauch. Das allein ist schon ein Preistreiber.

Faktor 2: Produktionsausfälle vor Ort. Die Kampfzone ist gleichzeitig eine der wichtigsten Ölförderregionen der Welt. Wir haben bereits Berichte gesehen, dass Saudi Aramco Raffinerien getroffen wurden. Saudi Aramco war zeitweise das größte Unternehmen der Welt nach Marktkapitalisierung, größer als Apple. Wenn Produktionsanlagen in dieser Region zerstört oder beschädigt werden, fällt reale Förderkapazität weg.

Faktor 3: Straße von Hormuz. Die Meerenge, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports läuft, ist faktisch geschlossen oder massiv eingeschränkt. Allein dieser Faktor treibt den Ölpreis rechnerisch sofort nach oben.

Drei Faktoren, eine Richtung: Ölpreis rauf. Und ein steigender Ölpreis zieht eine Kette nach sich. Höhere Energiekosten drücken auf die Konsumentenpreise, was zu höherer Inflation führt. Höhere Inflation bedeutet, dass die Fed weniger Spielraum für Zinssenkungen hat. Und das wiederum drückt auf Aktienbewertungen. Wer diesen Mechanismus im Detail verstehen will, findet in unserem Artikel über Makroökonomie für Trader die vollständige Erklärung.

Situative Investments bei geopolitischer Eskalation

Die steigende Inflation kommt zeitverzögert. Der Ölpreis muss nachhaltig erhöht bleiben, damit die Inflationseffekte voll durchschlagen. Aber genau diese Verzögerung gibt uns Zeit für situative Investments, also Positionen, die gezielt von der aktuellen Lage profitieren.

Fünf situative Investment-Kategorien bei der Iran-Eskalation

Rohstoff- und Energieaktien: Unternehmen wie Shell UK fördern weiterhin Öl, ganz normal, wie die ganze Zeit. Sie sind nicht direkt vom Krieg betroffen, profitieren aber davon, dass die Commodity, die sie verkaufen, im Preis steigt. Steigende Rohstoffpreise bedeuten höhere Margen und damit steigende Unternehmenwerte.

Gold und Edelmetalle: Bei Gold haben wir einen doppelten Preistreiber. Erstens die Inflationskomponente: Wenn der Dollar an Kaufkraft verliert, steigt Gold zwangsweise im Preis. Zweitens die Safe-Haven-Nachfrage: In Krisenzeiten flüchten Investoren in sichere Häfen. Diese Kombination aus Inflationsschutz und Krisenprämie macht Gold besonders interessant. Wer die VIX-Volatilität verfolgt, sieht den Stressindikator bereits deutlich erhöht, was die Safe-Haven-These stützt.

TIPS (Treasury Inflation Protected Securities): Staatsanleihen mit Inflationsschutz. Die Kupons sind an die Inflation gekoppelt, was in einem Umfeld steigender Preise attraktiv ist. Allerdings muss man bedenken: Wenn du mehr Geld bekommst, weil die Inflation gestiegen ist, ist dieses Geld natürlich auch weniger wert. TIPS sind vor allem für Investoren interessant, die planbare, inflationsbereinigte Zinszahlungen wollen.

Value-Aktien im Basissektor: Unternehmen wie Pepsi werden weiter konsumiert, egal was geopolitisch passiert. Wenn solche Titel mit dem Gesamtmarkt fallen, obwohl ihr Geschäftsmodell nicht betroffen ist, entstehen Kaufgelegenheiten. Das ist ein antizyklischer Ansatz, der sich besonders bei längerfristigem Zeithorizont bewährt.

Immobilien-REITs: Sachwerte als Inflationsschutz. REITs bieten einen Zugang zu Immobilien, der für viele greifbarer ist als andere Anlageklassen.

Mein persönliches Play: Frontline. Was ich selbst mache: Ich schaue mir wieder Frontline an. Das ist ein Unternehmen mit einer Tankerflotte, die Öl weltweit transportiert. Genau das, was jetzt gebraucht wird, vielleicht mehr denn je. Ich hatte damals beim Start des Ukraine-Russland-Konflikts eine große Position gekauft, einen Großteil wieder verkauft, halte aber noch eine kleinere Position. Jetzt prüfe ich, ob ich aufstocke. Das ist kein Pepsi, kein Berkshire Hathaway. Frontline ist ein fragiles Unternehmen. Man muss sich die Bilanz, das Inventory der Tanker und die Scrapping-Pläne genau anschauen, bevor man zugreift. Aber in der momentanen Situation könnte es sich wieder sehr lohnen.

Trading-Strategien bei hoher Volatilität

Sobald der Cashmarkt öffnet, erwarte ich massive Bewegungen. Der VIX zeigt klar erhöhte Volatilität, was für Daytrader vor allem eines bedeutet: Momentum.

Entscheidungsbaum: Momentum-Trading vs. konzentrierte Zonen bei Iran-Volatilität

Strategie 1: Momentum-Trading. Erhöhte Volatilität heißt erhöhtes Momentum. Die Märkte schieben gerade durch, in eine Richtung, mit Kraft. Das kann ich nutzen, indem ich an den richtigen Stellen in das Momentum einsteige, meine Gewinne mitnehme und wieder schließe. Der Stop-Loss muss eng sein, das Entry präzise. Dafür nutze ich zwei Tools: den Big Trades Indikator, um zu sehen, wo große Marktteilnehmer einsteigen, und unseren selbst entwickelten Iceberg Indikator, der bestätigte Icebergs anzeigt, also große Orders, die den Preis nachweislich bewegt haben. Die Kombination aus beiden gibt mir ein klares Bild.

Märkte, die dafür funktionieren: Nasdaq, ES, eventuell CL (wobei der Ölmarkt extrem wild und dünn werden kann), Gold und Bitcoin. Ähnlich wie bei Schwarzer-Schwan-Events gilt hier: Die initiale Phase ist gefährlich, die echte Chance kommt danach.

Strategie 2: Konzentrierte Zonen (Sonderbedingung). Diese Strategie funktioniert nur, wenn eine spezifische Bedingung erfüllt ist: Die Volatilität wird so extrem, dass die großen Marktteilnehmer sagen, es ist zu teuer. Als ich als Junior-Trader auf der Buyside gearbeitet habe, musste ich das Handeln einstellen, wenn die Sellside (Market Maker) die Preise so teuer gemacht hat, dass sich der Trade nicht mehr gelohnt hat. Irgendwann ist die Banane einfach zu teuer.

Wenn das passiert, hören die Big Player auf und das Volumen konzentriert sich an einer Stelle. Die Market Maker können keinen weiteren Profit aus den Teilnehmern ziehen. Dann entstehen sehr enge, konzentrierte Zonen, und wenn diese Zonen aufbrechen, kann man den Ausbruch traden oder sogar innerhalb der Zone den Ausbruch antizipieren.

Das funktioniert im ES und im 6E, weil das extrem tiefe, liquide Märkte sind. Bei Gold oder Bitcoin kann man das vergessen, die sind zu volatil und zu anfällig. Eventuell noch in den Staatsanleihen, aber die Frage ist, ob man sie traden will.

Bitcoin-Sondereffekt

Ein Aspekt, der wenig Beachtung findet: Der Iran stellt rund 4 bis 5 % der weltweiten Bitcoin-Hashrate. Wenn diese Kapazität durch den Konflikt wegfällt, wird das Netzwerk dünner, es gibt weniger Miner. Das könnte einen Long-Case für Bitcoin stützen.

Gleichzeitig hat Bitcoin einen einzigartigen Vorteil: Der Markt ist 24/7 offen. Er gibt uns Signale, bevor die US-Märkte öffnen. Der entscheidende Punkt wird sein, was passiert, wenn die amerikanischen Fonds wieder handeln dürfen. Die ETF-Flows nach Marktöffnung sind der Schlüssel. Wenn dort Zuflüsse kommen, bestätigt das die These, dass Bitcoin als situatives Investment funktioniert. Und als kurzfristiger Trade in den folgenden Tagen ist Bitcoin durch das erhöhte Momentum ohnehin attraktiv.

FAQ

Wie wirkt sich der Iran-Konflikt auf den Ölpreis aus?

Der Ölpreis wird durch drei gleichzeitige Faktoren nach oben getrieben: erhöhter militärischer Bedarf, Produktionsausfälle in der Förderregion (Angriffe auf Anlagen wie Saudi Aramco) und die Einschränkung der Straße von Hormuz als zentrale Transportroute. Alle drei Faktoren wirken in dieselbe Richtung. Ein nachhaltig hoher Ölpreis führt zu steigender Inflation, was wiederum die Handlungsfähigkeit der Zentralbanken einschränkt und auf Aktienbewertungen drückt.

Welche Trading-Strategie funktioniert bei geopolitischer Eskalation am besten?

Bei erhöhter Volatilität (erkennbar am VIX) funktioniert Momentum-Trading besonders gut, weil die Märkte in eine Richtung durchschieben. Der Schlüssel liegt im präzisen Entry mit engem Stop-Loss. Für fortgeschrittene Trader gibt es unter bestimmten Bedingungen die Möglichkeit, konzentrierte Zonen im ES oder 6E zu traden, wenn die großen Marktteilnehmer aufhören, weil die Preise zu teuer geworden sind. Beide Strategien erfordern Erfahrung und ein solides Risikomanagement.

Wann entspannt sich die Lage an den Märkten wieder?

Die Entspannung tritt ein, wenn einer der drei Öl-Faktoren wegfällt. Am wahrscheinlichsten: ein Waffenstillstand oder die Sicherung der Straße von Hormuz durch die USA, sodass der Öltransport wieder fließt. Das würde den Ölpreis sofort entlasten und damit auch den Inflationsdruck reduzieren. Solange der Konflikt andauert und alle drei Faktoren aktiv sind, bleiben die situativen Investments und Trading-Strategien gültig.


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