Was bei einem Liquidity Sweep im Orderflow passiert
Ein Liquidity Sweep ist eine schnelle Bewegung über ein offensichtliches Hoch oder unter ein offensichtliches Tief. Sie löst dort Stops aus und läuft danach nicht weiter. Im Chart sieht das zuerst aus wie ein Ausbruch. Am Level selbst siehst du den Unterschied nicht, erst an dem, was nach dem Bruch passiert.
In den meisten Fällen meinen Liquidity Sweep und Stop Run dasselbe. Wie ein Stop Run abläuft, habe ich dir separat aufgeschrieben. Hier geht es darum, was der Begriff bedeutet und was du im Footprint und in der Heatmap siehst.
Risikohinweis: Trading mit Futures und anderen Finanzinstrumenten birgt erhebliche Verlustrisiken. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für zukünftige Performance. Setze nur Kapital ein, dessen Verlust du verkraften kannst.
Was ist ein Liquidity Sweep?
Der Preis läuft durch ein Level, an dem Trader viele Orders vermuten, nimmt sie mit und kommt nicht weiter. Den Begriff findest du vor allem in ICT- und Smart-Money-Inhalten. ICT steht für Inner Circle Trader. Dort heißen die Orders über einem Hoch Buy-Side Liquidity und die unter einem Tief Sell-Side Liquidity.
Im Orderflow hat das Wort noch eine zweite Bedeutung. Da ist ein Sweep eine aggressive Order, die mehrere Preisstufen im Orderbuch auf einmal abräumt. Das beschreibt, wie die Order ausgeführt wurde, und hat erst mal nichts mit einem Hoch oder Tief zu tun. Wenn du also von einem Sweep liest, schau, welches von beidem gemeint ist.
Was dabei im Markt passiert
Über einem Hoch liegen Kauf-Stops. Das sind die Stop-Loss-Orders von Shorts und die Orders von Tradern, die beim Bruch einsteigen wollen. Unter einem Tief ist es umgekehrt.
Eine Stop-Order liegt nicht im Orderbuch. Bei der CME wartet sie, bis ein Trade ihren Preis erreicht. Erst dann wird sie aktiv.
Erreicht der Preis das Hoch, lösen die ersten Stops aus. Ihre Käufe heben den Preis weiter und lösen die nächsten aus. Das geht schnell und sieht aus wie starker Kaufdruck. Ein Teil dieser Käufer will aber gar nicht long sein. Die Shorts wollen nur raus.
Auf der anderen Seite stehen Limit-Verkäufer. Wer in größerer Menge verkaufen will, braucht Käufer, und in diesem Moment sind plötzlich viele da. Deshalb passt das Wort Liquidität hier. Die ausgelösten Stops sind die Gegenseite für jemanden, der eine Position aufbauen oder loswerden will.
Mein Blick auf große Teilnehmer hat mit Smart Money nichts zu tun. Mir geht es darum, den Orderflow zu verstehen, zu sehen, wozu große Teilnehmer gezwungen sind, und mich dann dranzuhängen. Wie eine Institution traden kannst du als Retail-Trader nicht.
Dass jemand den Markt nur für die paar Stops an ein Hoch schiebt, glaube ich trotzdem nicht. So viel liegt dort meistens gar nicht. Schau dir das gehandelte Volumen an solchen Extremen an, oft ist es kleiner als ein Stück darunter. Entscheidend ist, wer nach dem Auslösen noch kauft.
Warum du den Sweep vorher nicht siehst
Weil du Stops nirgends siehst. Die Heatmap zeigt dir Limit-Orders, und auch das volle Orderbuch enthält keine wartenden Stops. Stop-Tracker in Orderflow-Software markieren ausgeführte Stops, also erst, wenn es schon passiert ist.
Dass an einem Session-Hoch oder an zwei gleich hohen Hochs Stops liegen, ist deshalb eine Vermutung, wenn auch oft eine gute. Ich sage nie: Da müssen Stops liegen, also mache ich jetzt etwas. Ich schaue, was passiert, wenn der Preis dort ankommt.
Wie erkennst du einen Liquidity Sweep im Footprint?
Am Bruch selbst erkennst du ihn oft gar nicht. Ein ausgelöster Stop, der sofort gefüllt wird, ist eine aggressive Order und steht im Footprint genauso da wie ein echter Käufer. Ein stark positives Delta am Bruch beweist deshalb nichts. Für mich ist so ein Stoß erst mal nur eine Möglichkeit. Er kann von Stops kommen, oder jemand kauft einfach am Markt. Das Tape allein sagt es dir nicht.
Was du lesen kannst, kommt danach, und dabei helfen dir drei Fragen.
Kommt auf den höheren Preisen noch neue Aggression? Trocknet sie nach dem Stoß sofort aus, fehlt die Fortsetzung. Das passt zu einer Bewegung, die vor allem Stops getragen haben, beweisen kann es das nicht.
Baut sich jenseits des Levels Volumen auf? Bleibt der Bereich dünn, wurde dort kaum gehandelt, und der Markt hat diese Preise nicht angenommen.
Kommt der Preis trotz der Käufe nicht weiter? Dann stehen oben Limit-Verkäufer, die alles aufnehmen. Das ist Absorption. Fällt der Preis danach zurück unter das Level, hat der Bruch nicht gehalten, und du hast eine Failed Structure.
Was die Heatmap dazu zeigt
Die Heatmap zeigt dir die passive Seite, und die fehlt im Footprint. Bei einem Sweep rast der Preis manchmal mit wenigen oder kleinen Bubbles durch einen Bereich. Dann wurde die Liquidität dort weggezogen, oder die Aggression drückt einfach durch.
Danach schaust du auf die passive Seite. Rücken unter dem Preis die Käufer mit hoch, oder bleibt es dort dünn? Bauen sich über dem Hoch neue Limit-Verkäufe auf? Bei einem echten Ausbruch zieht die Kaufseite meistens nach. Bei einem Sweep fehlt sie oft.
Lies das nicht zu wörtlich. Die Heatmap zeigt dir, was gerade dort steht, und Trader können Limit-Orders jederzeit wegnehmen. Erst zusammen mit dem, was gehandelt wurde, sagt dir das etwas.
Den Sweep selbst wirst du meistens nicht erwischen, dafür ist er typischerweise zu schnell. Er sagt dir aber, dass in dieser Richtung Liquidität abgeräumt wurde.
Sweep oder echter Ausbruch?
| Was du prüfst | Typisch für einen Sweep | Typisch für einen echten Ausbruch |
|---|---|---|
| Aggression nach dem Bruch | kommt kurz und trocknet aus | kommt auf höheren Preisen weiter |
| Volumen jenseits des Levels | bleibt dünn | baut sich auf |
| Delta | stark am Bruch, danach kein Fortschritt mehr | läuft mit dem Preis mit |
| Limit-Orders | Kaufseite zieht nicht nach, oben kommt Angebot dazu | Kaufseite rückt mit hoch |
| Das gebrochene Level | Preis ist schnell wieder auf der anderen Seite | hält, Rücksetzer finden dort Käufer |
Keiner dieser Punkte reicht allein. Und ausgelöste Stops können selbst einen Trend anstoßen oder beschleunigen. Der Preis steigt, das sieht nach neuen Käufern aus, und alle reagieren darauf. Dabei weiß niemand, ob diese Käufer überhaupt höhere Preise wollen. Kommen danach wirklich neue Käufer, war es eben ein Ausbruch, und du willst nicht dagegenhalten.
Was ich dir empfehle
Behandle ein genommenes Hoch oder Tief erst mal als Ereignis, das dir noch nichts sagt. Frag nach jedem Bruch, wer als Nächstes kauft oder verkauft, und beantworte das mit Footprint und Heatmap statt mit dem Chartbild.
Wie du Orderflow im Live-Markt liest, zeigen wir dir bei uns im Mentoring.
