COT Report lesen: Schritt-für-Schritt Anleitung mit Beispielen
Den COT Report liest du direkt auf der CFTC-Website unter cftc.gov. Du brauchst im Kern drei Dinge: die Non-Commercial-Netto-Position, das Open Interest und die wöchentliche Veränderung. In diesem Guide zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du von der Rohdaten-Quelle zur wöchentlichen Analyse kommst und welche Strategie daraus folgt.
Risikohinweis: Trading mit Futures und anderen Finanzinstrumenten birgt erhebliche Verlustrisiken. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für zukünftige Performance. Setze nur Kapital ein, dessen Verlust du verkraften kannst.
Die CFTC-Website navigieren
Der direkte Weg: cftc.gov → Market Data & Economic Analysis → Commitments of Traders. Dort findest du drei verschiedene Reporttypen, die du kennen musst.
Der Legacy Report ist die klassische Aufteilung in drei Gruppen: Commercials, Non-Commercials und Non-Reportables. Er existiert seit Jahrzehnten und ist der beste Einstiegspunkt. Die drei Gruppen entsprechen exakt den Kategorien, die du aus der COT-Grundlage kennst.
Der Disaggregated Report unterteilt feiner: Producer/Merchant, Swap Dealers, Managed Money und Other Reportables. Mehr Granularität für Rohstoffmärkte, aber auch mehr Komplexität. Für den wöchentlichen Workflow nicht notwendig.
Der Traders in Financial Futures (TFF) Report deckt Finanzkontrakte ab (Währungen, Aktienindizes, Zinsprodukte). Wenn du EUR/USD oder S&P 500 Futures analysierst, findest du die Daten hier.
Die Empfehlung: Starte mit dem Legacy Report. Er ist am einfachsten zu lesen und deckt alles ab, was du für die wöchentliche Makro-Analyse brauchst.
Auf der CFTC-Website wählst du außerdem zwischen "Futures Only" und "Futures + Options Combined". Nimm "Futures Only", die Daten sind sauberer und leichter zu interpretieren. Dann noch die Wahl zwischen Short Format und Long Format. Das Short Format enthält alle relevanten Spalten. Das Long Format ergänzt Konzentrationsratios, die du für die wöchentliche Analyse nicht brauchst.
Den Report lesen: die wichtigsten Spalten
Der COT Report sieht auf den ersten Blick aus wie eine endlose Tabelle mit tausenden Zahlen. Ist er auch. Aber du brauchst davon nur einen Bruchteil. Schauen wir uns das am Beispiel Gold an, im Report gelistet als "GOLD - COMMODITY EXCHANGE INC." unter COMEX.
Die Spalten, die du lesen musst:
- Non-Commercial Long / Short / Spreading, die Positionen der großen Spekulanten. Long minus Short ergibt die Netto-Position, die dir zeigt, in welche Richtung die Hedgefonds wetten.
- Commercial Long / Short, die Positionen der Hedger. Minenbetreiber, Raffinerien, die physischen Marktteilnehmer.
- Total Open Interest, die Gesamtzahl aller offenen Kontrakte. Zeigt dir, ob neues Geld in den Markt fließt oder abfließt.
- Changes from Previous Week, die Veränderung zur Vorwoche. Die wichtigste Zeile im gesamten Report.
So gehst du Schritt für Schritt vor:
- Finde Gold im Report (CTRL+F nach "GOLD").
- Notiere die Non-Commercial-Netto-Position: Long minus Short.
- Notiere die Commercial-Netto-Position: Long minus Short.
- Notiere das Total Open Interest.
- Lies die "Changes from"-Zeile, die wöchentliche Veränderung für jede Gruppe.
Was du erstmal ignorieren kannst: Non-Reportables (zu klein für belastbare Aussagen), Spreading (gegenläufige Positionen in verschiedenen Kontraktmonaten, nicht relevant für den wöchentlichen Bias) und Percent of Open Interest (redundant, wenn du die absoluten Zahlen hast).
Die wichtigste Erkenntnis: Die "Changes from"-Zeile ist aussagekräftiger als die absoluten Zahlen. Eine Verschiebung von 20.000 Kontrakten in einer Woche erzählt dir mehr als eine statische Position von 200.000. Der Trend in der Veränderung zeigt dir, wohin sich die Positionierung bewegt, nicht wo sie steht, sondern wohin sie geht.

Netto-Positionen und COT Index berechnen
Die Netto-Position berechnest du einfach: Long minus Short für die jeweilige Gruppe. Halten die Non-Commercials 180.000 Long- und 60.000 Short-Kontrakte, ist ihre Netto-Position +120.000. Sie sind deutlich bullish positioniert.
Um diese Zahl historisch einzuordnen, brauchst du den COT Index. Die Formel kennst du aus dem Pillar-Artikel:
COT Index = (Aktuelle Netto-Position − Minimum) / (Maximum − Minimum) × 100
Das Problem: Der CFTC-Report zeigt dir nur die aktuelle Woche plus die Veränderung zur Vorwoche. Für den COT Index brauchst du historische Daten, mindestens 26 Wochen, besser 52.
Woher bekommst du diese historischen Daten? Die CFTC bietet Bulk-Downloads (Text- und Excel-Dateien) mit Daten über Jahrzehnte. Du findest sie unter "Historical Compressed" auf der COT-Seite. Diese Dateien kannst du in Excel importieren und den COT Index mit einer rollierenden 26-Wochen-Min/Max-Formel selbst berechnen. Woche für Woche eintragen, Minimum und Maximum der letzten 26 Zeilen referenzieren, Formel anwenden. Funktioniert, ist aber manuell.
Oder du sparst dir die Arbeit und nutzt Tools, die den COT Index automatisch berechnen.
Kostenlose Tools für die COT-Analyse
Du musst den COT Report nicht manuell aus CSV-Dateien zusammenbauen. Mehrere kostenlose Tools erledigen die Aufbereitung für dich.
TradingView (COT Indicator) ist die beste Option für die COT-Analyse. Suche in den Indikatoren nach "COT" und du bekommst einen Histogramm-Overlay, der die Netto-Positionen direkt unter deinem Chart anzeigt. So siehst du Positionierungsextrema visuell im Kontext der Preisbewegung. Zusätzlich stellt die CFTC selbst alle Rohdaten und historischen Downloads kostenlos bereit, wenn du tiefer einsteigen willst.
Früher habe ich über 1.000 Dollar für eine COT-Software bezahlt, nur um die Daten im Chart zu haben. Heute geht das mit TradingView kostenlos.
Die häufigsten Fehler beim COT-Report-Lesen
Absolute Zahlen statt Veränderungen lesen. Eine Netto-Short-Position von -150.000 Kontrakten klingt extrem. Aber ist sie es? Steht sie seit sechs Monaten auf diesem Niveau, ist sie die neue Normalität. Ist sie innerhalb von drei Wochen von -80.000 dorthin gesprungen, ist das eine aggressive Verschiebung. Der Kontext entscheidet, nicht die Zahl.
Open Interest ignorieren. Netto-Positionsveränderungen ohne Open-Interest-Kontext erzählen nur die halbe Geschichte. Eine Verschiebung von 20.000 Kontrakten bei steigendem Open Interest bedeutet: Neues Geld fließt in den Markt, neue Überzeugung entsteht. Dieselbe Verschiebung bei fallendem Open Interest bedeutet: Bestehende Positionen werden geschlossen, kein neues Commitment.
COT für ungeeignete Märkte nutzen. Nicht jeder Markt eignet sich für COT-Analyse. Bei Aktienindizes sind die Motive der Commercials zu heterogen für klare Interpretation. Die besten Ergebnisse liefert der COT Report bei Rohstoffen und Währungen, wo die Rollen der Marktteilnehmer eindeutig definiert sind. Welche Gruppe in welchem Markt am aussagekräftigsten ist, behandelt der Strategie-Artikel im Detail.
Veränderungen ignorieren. Die wöchentliche Veränderung der Non-Commercial-Netto-Position ist dein wichtigstes Signal. Vergleiche den aktuellen Datenpunkt mit dem vorherigen: Ist die Positionierung gestiegen oder gefallen? Das gibt dir bereits den wöchentlichen Bias. Eine signifikante Verschiebung in einer einzelnen Woche ist kein Rauschen, sondern echtes Commitment mit echtem Geld. Große Spekulanten bewegen keine 30.000 Kontrakte aus Zufall.
FAQ: COT Report lesen
Wann werden die COT-Daten veröffentlicht?
Jeden Freitag um 15:30 Uhr US-Eastern Time (21:30 MEZ bzw. 22:30 MESZ). Die Daten bilden den Positionierungsstand vom vorangegangenen Dienstag ab. Zwischen Erhebung und Veröffentlichung liegen also drei Tage. Diesen Zeitversatz musst du bei der Interpretation berücksichtigen. In schnell bewegten Märkten kann sich die Positionierung bis Freitag bereits verändert haben.
Brauche ich ein kostenpflichtiges Tool?
Nein. Der TradingView COT-Indikator ist kostenlos nutzbar und zeigt dir die Netto-Positionen direkt im Chart. Die CFTC-Rohdaten und historischen Downloads sind ebenfalls frei zugänglich. Bezahlte Tools bieten zusätzlichen Komfort wie automatische Alerts oder erweiterte Filteroptionen, sind aber für die wöchentliche Analyse nicht notwendig.
Welchen Report sollte ich als Anfänger nutzen?
Den Legacy Report, Futures Only, Short Format. Er ist am einfachsten zu lesen, enthält alle relevanten Spalten und die drei Gruppen (Commercials, Non-Commercials, Non-Reportables) sind klar und intuitiv. Sobald du den Legacy Report sicher liest, kannst du bei Bedarf zum Disaggregated Report oder TFF wechseln. Die Grundlagen der drei Gruppen findest du im COT Report verstehen Artikel.
In unserem Mentoring arbeiten wir jede Woche mit den COT-Daten. Das Makro-Modul zeigt dir, wie du den wöchentlichen COT-Check mit makroökonomischer Analyse und Orderflow-Trading verbindest, ein vollständiger Workflow von der CFTC-Website bis zum konkreten Trade.