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GlossarMakroökonomie

Yield Curve (Zinskurve)

Die Yield Curve (Zinskurve) ist eine grafische Darstellung der Renditen von Anleihen gleicher Bonität über verschiedene Laufzeiten, deren Form Aufschluss über Wachstums- und Rezessionserwartungen gibt.

Marco BösingVon Marco Bösing3 Min. Lesezeit

Was ist die Yield Curve?

Die Yield Curve (Zinskurve) zeigt die Renditen von Anleihen gleicher Kreditqualität — typischerweise US-Staatsanleihen — über verschiedene Laufzeiten. Auf der horizontalen Achse stehen die Laufzeiten (von kurzfristig bis langfristig), auf der vertikalen Achse die entsprechenden Renditen.

Die Form der Zinskurve spiegelt die Markterwartungen bezüglich zukünftiger Zinsen, Inflation und Wirtschaftswachstum wider und ist einer der wichtigsten makroökonomischen Indikatoren überhaupt.

Formen der Zinskurve

Die Zinskurve kann verschiedene Formen annehmen, die jeweils unterschiedliche wirtschaftliche Signale senden:

Normale (steile) Zinskurve

Langfristige Renditen liegen über kurzfristigen Renditen. Dies ist die übliche Form und signalisiert:

  • Erwartung von Wirtschaftswachstum
  • Erwartung steigender Inflation
  • Kompensation für das höhere Risiko längerer Laufzeiten (Laufzeitprämie)

Flache Zinskurve

Kurz- und langfristige Renditen liegen auf ähnlichem Niveau. Dies signalisiert:

  • Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung
  • Übergangsphase in der Geldpolitik
  • Möglicher Vorbote einer Inversion

Invertierte Zinskurve

Kurzfristige Renditen liegen über langfristigen Renditen. Dies ist ein historisch zuverlässiges Warnsignal:

  • Erwartung einer wirtschaftlichen Abschwächung oder Rezession
  • Erwartung zukünftiger Zinssenkungen durch die Fed
  • Die Inversion der Spread-Beziehung zwischen 2-jährigen und 10-jährigen Treasuries (2s10s) hat jede US-Rezession seit den 1960ern vorangekündigt

Wichtige Spread-Maße

Trader beobachten verschiedene Segmente der Zinskurve:

  • 2s10s Spread: Rendite der 10-jährigen minus 2-jährigen Treasury — der meistbeachtete Indikator für Inversionen
  • 3m10y Spread: Rendite der 10-jährigen Treasury minus 3-Monats-Rendite — von der Fed bevorzugtes Rezessionsmaß
  • Laufzeitprämie (Term Premium): Die zusätzliche Rendite, die Investoren für längere Laufzeiten fordern

Die Zinskurve als Trading-Instrument

Für Trader bietet die Zinskurve mehrere Anwendungen:

  • Makro-Regime erkennen: Die Form der Zinskurve hilft, das aktuelle wirtschaftliche Umfeld einzuordnen
  • Spread Trades: Long/Short-Positionen in verschiedenen Laufzeiten, um von Veränderungen der Kurvenform zu profitieren
  • Sektorrotation: In einem Umfeld steigender Renditen und steiler werdender Kurve profitieren Finanzwerte, während Versorger leiden
  • Timing von Zinswenden: Die Versteilerung der Kurve nach einer Inversion signalisiert oft den Beginn eines neuen geldpolitischen Zyklus

Häufig gestellte Fragen

Warum ist die invertierte Zinskurve ein Rezessionssignal?

Eine Inversion signalisiert, dass der Markt erwartet, dass die Zentralbank in Zukunft die Zinsen senken wird — typischerweise als Reaktion auf eine wirtschaftliche Abschwächung. Der zeitliche Vorlauf zwischen Inversion und Rezession betrug historisch 6 bis 24 Monate.

Welcher Zinskurven-Spread ist am wichtigsten?

Der 2s10s Spread ist der meistbeachtete, aber der 3m10y Spread hat historisch eine noch höhere Prognosekraft für Rezessionen. Beide sollten gemeinsam betrachtet werden.

Kann die Zinskurve auch nach einer Inversion wieder steil werden, ohne dass eine Rezession folgt?

Theoretisch ja, in der Praxis ist dies jedoch selten. Die Re-Steepening-Phase nach einer Inversion (sogenanntes „Bull Steepening") geht oft mit dem tatsächlichen Beginn der Rezession einher, da die Fed dann beginnt, die kurzfristigen Zinsen aggressiv zu senken.

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