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GlossarMakroökonomie

Fed Funds Rate

Die Federal Funds Rate ist der Leitzins der US-Notenbank Federal Reserve, zu dem sich US-Geschäftsbanken über Nacht gegenseitig Reserven leihen, und dient als Steuerungsinstrument der gesamten Geldpolitik.

Marco BösingVon Marco Bösing5 Min. Lesezeit

Was ist die Fed Funds Rate?

Die Federal Funds Rate -- oft einfach "Fed Funds Rate" genannt -- ist der Zinssatz, zu dem sich US-Geschäftsbanken über Nacht gegenseitig überschüssige Reserven leihen. Die Federal Reserve legt ein Zielband (Target Range) für diesen Zinssatz fest, typischerweise mit einer Spanne von 25 Basispunkten (z. B. 5,25-5,50 %).

Obwohl die Fed den Zinssatz nicht direkt am Markt festlegt, steuert sie ihn durch ihre geldpolitischen Instrumente -- insbesondere durch den Zinssatz auf Reserven (Interest on Reserve Balances, IORB) und die Reverse-Repo-Fazilität -- so, dass der tatsächliche Marktzins innerhalb des Zielbandes liegt.

Warum ist die Fed Funds Rate so wichtig?

Die Fed Funds Rate ist der Ankerzins des gesamten US-Finanzsystems. Sie beeinflusst:

  • Kurzfristige Zinsen: Alle anderen Overnight-Zinssätze wie SOFR orientieren sich an der Fed Funds Rate
  • Kreditzinsen: Hypothekenzinsen, Kreditkartenzinsen und Unternehmenskredite werden indirekt beeinflusst
  • Anleihemärkte: Die gesamte Zinskurve reagiert auf Änderungen und Erwartungen bezüglich der Fed Funds Rate
  • Aktienmärkte: Höhere Zinsen erhöhen die Diskontierungsrate und belasten Bewertungen
  • US-Dollar: Zinsänderungen sind der wichtigste Treiber für den Dollar-Wechselkurs

Fed Funds Rate und der Zinszyklus

Die Fed passt die Fed Funds Rate zyklisch an die wirtschaftliche Lage an:

Lockerungszyklus (Rate Cuts)

  • Schwäche am Arbeitsmarkt oder Rezessionsrisiken
  • Inflation unter dem 2%-Ziel
  • Ziel: Kreditvergabe stimulieren, Wirtschaft ankurbeln

Straffungszyklus (Rate Hikes)

  • Überhitzung am Arbeitsmarkt
  • Inflation über dem 2%-Ziel
  • Ziel: Nachfrage dämpfen, Inflation senken

Die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Zinsänderungen variieren. Im Straffungszyklus 2022–2023 erhöhte die Fed die Zinsen in historisch schnellem Tempo von nahe 0 % auf über 5 %.

Wie Trader die Fed Funds Rate verfolgen

Trader nutzen verschiedene Instrumente, um Zinserwartungen zu analysieren:

  1. Fed Funds Futures: Futures-Kontrakte, die direkt auf den effektiven Fed Funds Rate abzielen und die Markterwartungen für zukünftige Sitzungen widerspiegeln
  2. CME FedWatch Tool: Ein öffentlich zugängliches Tool, das die impliziten Wahrscheinlichkeiten für Zinsänderungen bei der nächsten FOMC-Sitzung zeigt
  3. Dot Plot: Die vierteljährlichen Zinsprognosen der FOMC-Mitglieder
  4. OIS-Kurve (Overnight Index Swap): Zeigt die erwarteten durchschnittlichen Overnight-Zinsen über verschiedene Zeithorizonte

Effektive Fed Funds Rate vs. Zielband

Es ist wichtig, zwischen dem Zielband (das vom FOMC festgelegt wird) und der effektiven Fed Funds Rate (EFFR) zu unterscheiden. Die EFFR ist der tatsächliche gewichtete Durchschnitt der Übernacht-Transaktionen am Fed-Funds-Markt und wird täglich von der New York Fed veröffentlicht. In normalen Marktbedingungen liegt die EFFR nahe der Mitte des Zielbandes.

Fed Funds Rate und andere Märkte -- ein Praxisbeispiel

Wenn die Fed im März eine Zinserhöhung von 25 Basispunkten beschließt, reagieren die Märkte in der Regel so: Kurzfristige Treasury-Renditen steigen sofort, der US-Dollar wertet auf, und Aktien geraten unter Druck -- besonders Wachstumswerte, deren zukünftige Cashflows mit einem höheren Zinssatz abgezinst werden.

Aber die Reaktion ist nicht immer so eindeutig. Wenn der Markt die Erhöhung bereits eingepreist hat und die Fed gleichzeitig signalisiert, dass dies die letzte Erhöhung war, können Aktien trotz der Zinserhöhung steigen. Das ist der Grund, warum ich immer sage: Es kommt nicht auf die Entscheidung an, sondern auf die Entscheidung im Vergleich zur Erwartung.

Die Fed Funds Rate im historischen Kontext

Die Fed Funds Rate hat im Laufe der Jahrzehnte enorme Schwankungen erlebt:

  • Anfang der 1980er Jahre: Paul Volcker erhöhte die Rate auf über 20 %, um die galoppierende Inflation zu brechen
  • 2008-2015: Die Rate lag bei 0-0,25 % (Zero Lower Bound) als Reaktion auf die Finanzkrise
  • 2020-2022: Erneut bei 0-0,25 % als Reaktion auf die COVID-Pandemie
  • 2022-2023: Schnellster Zinserhöhungszyklus seit den 1980ern, von 0 auf über 5 %

Diese historische Perspektive zeigt, dass die "normale" Fed Funds Rate stark variiert und es keinen festen Standard gibt.

Häufige Fehler

  • Fed Funds Rate mit Hypothekenzinsen gleichsetzen: Die Fed Funds Rate ist ein Overnight-Zinssatz. Hypothekenzinsen orientieren sich am langen Ende der Zinskurve und können sich unabhängig von der Fed Funds Rate bewegen.
  • Nur die aktuelle Rate betrachten: Für Märkte zählt nicht der aktuelle Stand, sondern die erwartete Entwicklung. Ein Zinsniveau von 5 % ist bullish, wenn der Markt vorher 6 % erwartet hatte.
  • FOMC-Statement ignorieren: Die Zinsentscheidung selbst ist oft schon eingepreist. Die neuen Informationen stecken im Statement, in der Pressekonferenz und im Dot Plot.

Häufig gestellte Fragen

Was passiert, wenn die Fed die Zinsen senkt?

Zinssenkungen verbilligen Kredite, stimulieren die Wirtschaft und erhöhen die Risikobereitschaft. Aktien tendieren zur Stärke, Anleiherenditen fallen, und der Dollar kann sich abschwächen. Allerdings hängt die Marktreaktion davon ab, ob die Senkung erwartet wurde und was die Fed über weitere Schritte signalisiert.

Wie schnell wirken Zinsänderungen auf die Wirtschaft?

Die Geldpolitik wirkt mit einer Verzögerung von typischerweise 6 bis 18 Monaten auf die Realwirtschaft. Die Finanzmärkte reagieren jedoch sofort auf Zinsänderungen und -erwartungen. Das bedeutet: Wenn die Fed heute die Zinsen erhöht, spürt die Wirtschaft das frühestens in einem halben Jahr, aber Anleihen- und Aktienkurse bewegen sich in Sekunden.

Was ist der neutrale Zinssatz?

Der neutrale Zinssatz (r*) ist das theoretische Zinsniveau, das die Wirtschaft weder stimuliert noch bremst. Er ist nicht direkt beobachtbar und wird von der Fed auf Basis verschiedener Modelle geschätzt, liegt typischerweise bei etwa 2,5-3 % nominal. Der neutrale Zinssatz ist wichtig, weil er bestimmt, ob die aktuelle Geldpolitik als restriktiv oder expansiv einzustufen ist.

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