Was ist OpEx?
OpEx steht für Options Expiration — den Verfallstag von Optionskontrakten. An diesem Tag werden offene Optionen entweder ausgeübt, glattgestellt oder verfallen wertlos. Die wichtigsten OpEx-Termine sind der monatliche Verfall (dritter Freitag des Monats) und der vierteljährliche Triple/Quadruple Witching, an dem Optionen, Futures und Index-Optionen gleichzeitig verfallen.
Was OpEx so relevant macht: In den Tagen vor und am Verfallstag selbst müssen Market Maker, Hedger und institutionelle Händler ihre Positionen aktiv anpassen. Das erzeugt Orderflows, die mit normaler Price Action wenig zu tun haben. Der Markt verhält sich an diesen Tagen anders, weil die treibenden Kräfte andere sind als an normalen Handelstagen.
Für jeden aktiven Trader, egal ob im Nasdaq oder S&P 500, ist das Wissen um den OpEx-Zyklus ein Muss. Wer diese Termine nicht auf dem Schirm hat, wird regelmässig von den ungewöhnlichen Kursbewegungen überrascht.
Wie funktioniert OpEx?
Das Herzstück des OpEx-Mechanismus ist das Gamma-Exposure. Market Maker, die Optionen verkauft haben, müssen ihre Positionen delta-neutral halten. Das bedeutet: Wenn der Markt steigt, müssen sie Futures kaufen. Wenn er fällt, müssen sie Futures verkaufen. Und je näher der Verfallstag rückt, desto stärker wird dieser Effekt, weil das Gamma (die Veränderungsrate des Deltas) ansteigt.
Das Resultat sind schnelle, scharfe Moves in beide Richtungen, die sich gegenseitig aufschaukeln können. Der Markt bewegt sich nicht mehr primär aufgrund von Angebot und Nachfrage im klassischen Sinne, sondern weil Market Maker mechanisch hedgen müssen. Diese Moves sehen auf dem Chart oft irrational aus. Trader, die das nicht wissen, versuchen diese Bewegungen mit normaler technischer Analyse zu erklären und scheitern.
Nach dem Verfall passiert etwas Interessantes: Die Zwangs-Hedging-Flows fallen weg. Die Marktstruktur normalisiert sich. Oft etablieren sich genau nach dem OpEx-Termin neue, saubere Trends, weil die verzerrenden Kräfte aus dem Markt verschwunden sind. Ich achte deshalb besonders auf die Tage direkt nach dem Verfall, weil die Price Action dort oft ehrlicher ist.
Der vierteljährliche Verfall (Triple/Quadruple Witching) ist dabei deutlich intensiver als der normale monatliche Verfall. An diesen Tagen verfallen Aktienoptionen, Index-Optionen, Index-Futures und Single-Stock-Futures gleichzeitig. Das Volumen an diesen Tagen ist regelmässig eines der höchsten im gesamten Quartal. Wer an einem solchen Tag ohne das Wissen um OpEx handelt, wundert sich über Moves, die scheinbar keiner Logik folgen.
OpEx in der Praxis
Ein typisches Szenario: In der Woche vor dem monatlichen OpEx beobachte ich, dass der Nasdaq in einer ungewöhnlich engen Range handelt, obwohl eigentlich genug Nachrichtenlage da ist, um Bewegung zu erzeugen. Das ist oft ein Zeichen dafür, dass die Gamma-Exposure der Market Maker den Markt an bestimmten Strikes "festklebt". Der Preis wird quasi magnetisch zu den Strikes mit dem grössten Open Interest gezogen.
Am Verfallstag selbst sehe ich dann häufig starke Moves in den letzten Handelsstunden, wenn die letzten Positionen glattgestellt werden. Besonders die letzte Stunde vor Handelsschluss kann extrem volatil sein, weil die letzten In-the-Money-Optionen delta-hedged oder geschlossen werden. Nach dem Verfall am Freitag öffnet der Montag oft mit einer klaren Richtungsbewegung, weil der Markt nicht mehr durch die Optionsstruktur gebremst wird.
Ich trage alle OpEx-Termine im Voraus in meinen Kalender ein und passe mein Trading entsprechend an. In den Tagen direkt um den Verfall bin ich vorsichtiger mit grösseren Positionen, weil die Volatilität unberechenbar sein kann. Lies mehr dazu im vollständigen Artikel zu OpEx und Optionsverfall im Trading.
Häufige Fehler bei OpEx
Die ungewöhnliche Price Action mit normaler Analyse erklären. Am OpEx-Tag bewegt sich der Markt nach anderen Regeln. Wer versucht, die Moves mit klassischen Support/Resistance-Levels oder Trendanalyse zu erklären, wird frustriert sein. Die Moves sind oft rein mechanisch durch Hedging getrieben.
OpEx-Termine nicht im Kalender haben. Das klingt banal, aber ich sehe es ständig: Trader wundern sich über verrückte Kursbewegungen und merken erst im Nachhinein, dass es ein Verfallstag war. Ein einfacher Eintrag im Wirtschaftskalender kann viele Frustmomente verhindern.
Nach dem Verfall sofort aggressiv handeln. Ja, nach dem OpEx normalisiert sich die Marktstruktur oft. Aber das bedeutet nicht, dass am Montag direkt alles klar ist. Gib dem Markt einen halben Tag, um sich zu ordnen, bevor du aggressive Positionen aufbaust.
FAQ
Wann genau ist OpEx?
Der monatliche OpEx ist immer am dritten Freitag des Monats. Der vierteljährliche Triple/Quadruple Witching findet am dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember statt. Zusätzlich gibt es wöchentliche Optionsverfälle (Weekly Options), die aber weniger Einfluss auf die Gesamtmarktstruktur haben.
Wie stark beeinflusst OpEx den Markt wirklich?
Das hängt vom Open Interest ab. Je grösser das offene Volumen an Optionskontrakten, desto stärker ist der Einfluss. Beim vierteljährlichen Verfall ist der Effekt am grössten. An normalen monatlichen Verfallstagen ist er spürbar, aber weniger extrem. Wöchentliche Verfälle haben meist nur bei einzelnen Aktien eine spürbare Wirkung.
Sollte ich am OpEx-Tag handeln oder besser pausieren?
Das kommt auf deine Erfahrung an. Wenn du den Mechanismus verstehst und die ungewöhnliche Volatilität einordnen kannst, bieten OpEx-Tage durchaus Chancen. Wenn du dich unsicher fühlst, ist es absolut vernünftig, an diesem Tag zu pausieren und erst nach dem Verfall wieder einzusteigen.